"Eine Super-Methode zu reisen – wirklich großartig und ganz einfach zu fahren", meldet Astronaut David Scott zur Erde. "Wir haben keinerlei Probleme!" Der Kommandant der US-Raumfahrtmission Apollo 15 ist hellauf begeistert, als er Anfang August 1971 zusammen mit James Irwin die erste Autofahrt auf dem Mond unternimmt. Zwar streikt kurzzeitig die Lenkung, aber das Problem ist schnell behoben. Die Astronauten fahren an der Hadley-Rille vorbei, rollen über Hänge der Apenninen-Berge und brausen zwischen Mondkratern hindurch.

"Brausen" ist dabei nicht ganz das richtige Wort – das Durchschnittstempo der ersten Mondtour lag bei nur 8 km/h. Der inoffizielle Geschwindigkeitsrekord auf dem Erdtrabanten liegt immerhin bei knapp 18 km/h, aufgestellt vom Apollo-17-Kommandanten Eugene Cernan. Immerhin erweiterte das Gefährt den Bewegungsradius der Astronauten, um Experimente durchzuführen, Mondgestein zu sammeln und Filmaufnahmen zu machen. Bei vorherigen Mondmissionen bewegten sie sich nur wenige Schritte von der Landekapsel weg.

Auch mit einem amerikanischen Straßenkreuzer hatte das Mondauto nichts gemein. Der Buggy ähnelte eher dem allerersten Jeep: Alles, was man nicht unbedingt brauchte, hatten seine Entwickler weggelassen. Eine Karosserie hatte der Wagen nicht, die Astronauten saßen auf simplen Stühlen mit Nylonpolstern. Das 3,1 Meter lange Lunar Roving Vehicle (LRV) bestand zu großen Teilen aus Aluminium und brachte nur 210 Kilo auf die Waage. Es konnte mehr als das Doppelte seines Gewichtes transportieren.

Tanken war unnötig, denn der allradgetriebene Mondbuggy fuhr im luftleeren Raum nicht mit Verbrennungsmotor, sondern rein elektrisch. Zum Antrieb hatte jedes Rad einen Elektromotor mit jeweils nur 0,25 PS. Silberoxid-Zink-Batterien lieferten die Energie, sie waren aber nicht aufladbar. Dennoch hätten die Batterien bei der Apollo-15-Mission nach der letzten Fahrt noch für 80 Kilometer gereicht.

Die Reifen des Mondbuggys bestanden aus einem Drahtgeflecht. Darüber waren in einem Zickzack-Muster Spangen aus Titan angebracht, damit das Fahrzeug nicht im weichen Mondboden versinken konnte. Die kleinen Kotflügel aus Fiberglas hielten den aufgewirbelten Staub zurück, der wegen der geringen Mondanziehungskraft selbst bei langsamer Fahrt ein Problem war. Auf der Apollo-17-Mission verbeulte Cernan aus Versehen einen Kotflügel mit einem Hammer. Es gelang den Astronauten jedoch, den Schaden in neun Minuten provisorisch zu flicken.

Gelenkt wurde das LRV mit einem Joystick-ähnlichen Kontrollgriff. Zum Beschleunigen drückte der Fahrer den Controller nach vorn, zum Bremsen nach hinten. Gelenkt wurde mithilfe von elektrischen Stellmotoren. Weil alle vier Räder lenkbar waren, konnten die Astronauten auf kleinstem Raum wenden. Das Navigationssystem des Buggys führte Buch über die exakte Position des Autos relativ zur Raumfähre, indem es Richtungsänderungen und die zurückgelegte Strecke aufzeichnete. Damit fanden die Astronauten auch den Weg zurück zum Lunar Module, wenn es außer Sicht war. Allerdings entfernten sich die Weltraum-Pioniere nie mehr als ein paar Kilometer von der rettenden Fähre. So waren die Auto-Expeditionen arg begrenzt – das LRV der Apollo-17-Mission hatte mit 36 Kilometern die längste Gesamtstrecke auf dem Tacho.

Die drei Mondgefährte, die bei Apollo 15, 16 und 17 zum Einsatz kamen, bereiteten den Astronauten keine Probleme, von Kleinigkeiten abgesehen. Knifflig war jedoch der Transport hin zum Mond, denn Platz war im Raumschiff knapp. Der Rover musste deshalb zusammengefaltet und auf dem Mond von den Weltraumfahrern wieder auseinandergeklappt werden. Dank intensiven Trainings gelang das bei Apollo 15 in gerade einmal 26 Minuten.

Wer die vierrädrigen Mondpioniere einmal aus der Nähe sehen möchte, wird allerdings in jedem Museum der Welt vergeblich suchen. Die LRVs wurden bei allen drei Missionen auf dem Mond zurückgelassen. Und ob dort jemals wieder ein bemanntes US-Fahrzeug herumrollt, ist derzeit fraglich. Zwar hat die Nasa schon einen großen Transporter mit Kabine und zwölf Rädern in der Wüste getestet, der 2020 bei einer neuen Mondlandung zum Einsatz kommen sollte. Doch die euphorische Stimmung der späten sechziger und siebziger Jahre ist längst verflogen, die USA haben für ihre Space-Abenteuer schlicht kein Geld mehr. Vielleicht hat das nächste LRV eine rote Flagge auf dem Kotflügel: Die Chinesen wollen ebenfalls den Erdtrabanten erforschen und sogar eine eigene Mondbasis bauen.