Die Lücke im Sortiment von Volkswagen war unübersehbar. Zuletzt gab es kein Angebot mehr unterhalb des Polo, nachdem der Fox endgültig eingestellt worden war. Jetzt ist der neue Kleinwagen endlich da: Er heißt up! und nicht, wie immer wieder spekuliert wurde , Lupo II. Übersetzt also "aufwärts" – mit Imperativ-Ausrufezeichen. Damit es mit den Verkaufszahlen im Vergleich zum Fox bergauf geht, setzt VW auf eine unaufgeregte Formensprache, eine automatische Notbremsfunktion und eine Erdgasversion.

Formal gleicht der up! den Wettbewerbern. Er ist mit 3,54 Metern genau so lang wie der aktuelle Kia Picanto . Auch die Höhe (1,48 Meter) ist identisch. Dafür geht der neue Kleinwagen aus Wolfsburg mit 1,64 Metern etwas mehr in die Breite als der Koreaner (1,60 Meter). Auch beim Kofferraum verspricht VW mehr Volumen: 251 Liter sollen in den up! passen (Kia Picanto: 200 Liter). Ein besonders langer Radstand mit konsequent zur Karosserieecke gerückten Rädern soll die Ursache dafür sein.

Im Segment der lieben Kleinen tummeln sich noch etliche andere Autos mit ganz ähnlichen Maßen. Da finden sich die baugleichen Drillinge Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 107, die nächstes Jahr einer Erneuerung entgegen sehen; dann die ebenfalls identischen Suzuki Alto und Nissan Pixo, außerdem der Hyundai i10 und natürlich der neue Fiat Panda. Außer den Letzteren haben alle einen Dreizylinder-Benzinmotor mit einem Liter Hubraum. Den hat nun auch der up!.

Er wird zu Beginn in zwei Leistungsstufen mit 44 kW (60 PS) und 55 kW (75 PS) erhältlich sein. Ohne Direkteinspritzung, ohne Turbo. Autos, die ungefähr gleich groß sind und über ähnliche Antriebe verfügen, haben nahezu einheitliche Verbrauchswerte: In der – wie bei der Konkurrenz leider aufpreispflichtigen – Version mit Start-Stopp-Automatik und anderen Spritsparextras verbraucht der up! mit 60 PS im Normzyklus 4,2 Liter auf 100 Kilometer und emittiert dabei 99 Gramm CO2 je Kilometer. Zum Vergleich wieder der Picanto: 4,1 Liter und entsprechend 95 Gramm CO2 pro Kilometer.

Erdgasversion als Erbe des 3-Liter-Lupo und Dieselersatz

Zum Glaubwürdigkeitstest für Volkswagen wird die mit Erdgas (CNG) betriebene Variante des up!. Der sonst mit Benzin gefütterte Dreizylinder soll im Methanbetrieb (68 PS) 3,2 Kilogramm auf 100 Kilometer verbrauchen und 79 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Damit ist diese mutmaßlich Ecofuel getaufte Version nicht weniger als der legitime Nachfolger des Drei-Liter-Lupos. Sollte der Erdgas-up! schnell auf den Markt kommen, würde er im nächsten Jahr auf Platz 1 im Umweltranking des ökologisch ausgerichteten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) stehen. Vor den Hybridautos aus dem Toyota-Konzern wäre er das sauberste Auto ohne Ladestecker.

Wenn es der Volkswagen-Konzern mit der Reduktion des Flottenverbrauchs ernst meint, muss diese Variante tatsächlich bald zu kaufen sein. VW darf dabei jedoch die Preisschraube nicht überdrehen. Zu oft haben die Wolfsburger für ihre etwas grüneren Autos dreiste Aufschläge verlangt oder die umweltverträglicheren Modelle, wie beim aktuellen Polo BlueMotion, an die niedrigste Ausstattungsvariante gekoppelt und so unattraktiv gemacht. Anders als beim Drei-Liter-Lupo kommen beim Erdgas-up! aber keine kostenintensiven Materialien wie Magnesium oder ein anfälliger Schaltautomat zum Einsatz. Ein paar Gasflaschen im Unterboden und eine andere Einspritzung – fertig. So ersetzt der Ecofuel den TDI. Falls Fiat für den neuen Panda nicht auch wieder eine CNG-Version anbietet, steht der Erdgas-up! allein auf weiter Flur.