Manchmal könnte man fast eine Stecknadel fallen hören. In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird so leise und bedächtig gearbeitet, dass man sich eher in einem Wohnzimmer wähnt als in einem Industriebetrieb. Am liebsten würde man in Hausschuhe schlüpfen und sich mit einer Tasse Kaffee aufs Sofa setzen, während drei Meter entfernt Automobile entstehen.

Blaumänner gibt es nicht in der Manufaktur: In weißen Overalls montieren die Arbeiter den VW Phaeton, dabei laufen sie über Parkettboden aus kanadischem Bergahorn. Bei der finalen Qualitätskontrolle, wenn die Autos mit eigenen Reifen auf dem Boden rollen, besteht das Parkett aus dem Holz der deutschen Mooreiche. Die ist nämlich dunkler – man will im Wohnzimmer ja nicht sofort jeden Gummiabrieb sehen.

Seit knapp zehn Jahren fertigt Volkswagen den Phaeton in der Gläsernen Manufaktur. Zum erhofften Verkaufsschlager wurde der Luxusschlitten nie – bislang verließen kaum mehr als 50.000 Phaetons die Manufaktur. Doch VW hält eisern an seinem Prestige-Objekt fest. Pro Arbeitstag entstehen in dem lichtdurchfluteten Designer-Komplex im Schnitt 56 Fahrzeuge. Im bislang erfolgreichsten Jahr 2010 waren es insgesamt 7.500. Zum Vergleich: Im Wolfsburger Stammwerk rollen an einem einzigen Tag 3.700 Autos vom Band, im ganzen Jahr 2011 voraussichtlich 800.000. Der Phaeton kann also in jedem Fall für sich in Anspruch nehmen, ein ziemlich exklusives Exemplar zu sein.

Ebenso exklusiv ist die Produktionsstätte in Dresden. Der 8,3 Hektar große Komplex mit 27.500 Quadratmetern Fensterfläche und dem 55.000 Quadratmeter großen Fertigungsbereich ist nicht einfach ein Fabrikationsbetrieb, sondern eine Art Live-Show: Schritt für Schritt können die Besucher auf zwei Etagen die Montage des Phaeton verfolgen. Die Produktionslinie läuft auf einem Schuppenband, das genau wie der angrenzende Boden mit Parkett belegt ist und sich im Zeitlupentempo vorwärts bewegt. Mit einer elektrischen Hängebahn gelangen die Autos von einer Etage in die andere.

Die Fertigung mit 500 Mitarbeitern in zwei Schichten beginnt täglich um sechs Uhr morgens und endet um 23 Uhr. Der Höhepunkt ist die "Hochzeit", bei der Karosserie und Motor vereint werden. Roboter bieten dann ein faszinierendes Schauspiel: Der Wagen hängt an einem Förderband, plötzlich tauchen Roboterarme mit einer eleganten Drehung aus dem Parkettboden auf und ziehen die Schrauben fest.

Etwa vier von fünf deutschen Phaeton-Käufern holen ihren Wagen selbst in Dresden ab und besichtigen dabei die Manufaktur. Der Komplex, für den Volkswagen vor zehn Jahren 186 Millionen Euro investierte, stieß bei den Dresdnern damals nicht nur auf Gegenliebe – vor allem wegen des Standorts. Die Fertigungsstätte wurde nicht etwa in einem Industriegebiet hochgezogen, sondern mitten in der sächsischen Metropole, nur zehn Gehminuten von der Altstadt entfernt. Umweltschützer fürchteten Lkw-Kolonnen, die sich durch die Stadt wälzen würden.