"Vielleicht ein bisschen unvernünftig", so beschreibt Kay Segler den jungen Wilden in der Mini-Modellfamilie. Der Markenchef ist eben mit Helm und Rennanzug aus dem Mini Coupé geklettert: "Wenn man aus diesem Auto aussteigt, fühlt man sich fünf Jahre jünger." Seglers Outfit mag etwas übertrieben sein, schließlich wird es den 3,7 Meter langen und knapp 1,4 Meter hohen Renner ab Oktober regulär im Handel geben – ohne Helmpflicht. Aber durch das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring hat Mini den Wagen schon werbewirksam gejagt.

Die nächste Etappe heißt IAA. Dort zeigt die BMW-Tochter das Coupé als bereits fünftes Modell des Mini. Der Flitzer soll den als Frauenauto geltenden Mini auch für die männliche Kundschaft interessanter machen. Schon im Stand macht der Wagen ein wenig auf Porsche: Per Knopfdruck (und während der Fahrt ab 80 km/h automatisch) fährt ein kleiner Spoiler aus dem Heckdeckel. Der erzeugt bei Höchstgeschwindigkeit 40 Kilo Abtrieb, also eine bessere Bodenhaftung, und sieht vor allem sportlich aus.

Letzteres soll wohl auch für das poppige Helmdach gelten, doch das lustig aufgesetzte Käppi ist und bleibt gewöhnungsbedürftig. Designchef Anders Warming schwört hingegen auf die unverwechselbare Silhouette: "Wir haben uns von den sechziger Jahren inspirieren lassen", sagt der Däne und meint damit skurrile Kleinserienautos wie den Mini Marcos oder das Broadspeed GT Mini Coupé. Zur optischen Dynamik mit Spoiler und Helm passt das Motorenangebot. Die Basistriebwerke der Schwestermodelle wurden ganz einfach gestrichen, es warten nur stärkere Benziner mit mindestens 90 kW (122 PS). 

Kräftigste Version ist der Coupé John Cooper Works (JCW) mit 211 PS. Der aufgeladene Vierzylinder schickt ein Drehmoment von bis zu 280 Nm an die Kurbelwelle. Seine volle Leistung entfaltet der Turbomotor aber erst bei hohen Drehzahlen, die man der Maschine wegen des kraftvollen Sounds gern gönnt. Beim Dahingleiten mit 3.000 Umdrehungen nervt sie nämlich auf Dauer durch ein sonores Brummen. Ebenfalls Punktabzug gibt es für die etwas hakelige Sechsgangschaltung, hier fehlt die von BMW gewohnte Präzision.

Zwar ist das Auto wegen der bereits eingebauten Roadster-Versteifungen etwas schwerer als der normale Mini, doch die verwindungsfeste Karosserie und der niedrige Schwerpunkt machen das mehr als wett. Nach 6,4 Sekunden passiert die Tachonadel die 100-km/h-Marke, und auch beim Überholen erweist sich der Motor als sehr agil. Die elektromechanische Servolenkung ist fast frei von Antriebseinflüssen. Das Coupé ist straff gefedert, an die besonders knackige Abstimmung im JCW muss man sich allerdings gewöhnen.

Mindestens 21.200 Euro nötig

Das Cockpit entspricht weitgehend dem des normalen Mini. Die Türen sind innen mit zwei Kunststoffbögen in Wagenfarbe verziert, auch am Armaturenbrett peppen farbige Einsätze das Interieur auf. Ellipsenförmige Ausbuchtungen im Dachhimmel schaffen mehr Kopffreiheit. Das Coupé ist ein reiner Zweisitzer, aber das ist der Mini One realistisch betrachtet ja ebenfalls. Der Platz hinter den Rücksitzen dient im Coupé als Stauraum für Jacken und Taschen. Durch eine kleine Klappe gelangt man auch während der Fahrt an den Kofferraum. Das Gepäckabteil ist ziemlich flach und durch eine Stufe zerklüftet, schluckt aber immerhin 280 Liter – 20 Liter mehr als der Mini Clubman.

Das Basismodell Cooper Coupé mit 122 PS steht für 21.200 Euro beim Händler. Damit bewegt sich Mini – mal wieder – in höherpreisiger Lage. Der Citroën DS3 mit 120 PS zum Beispiel kostet 17.700 Euro, der Hyundai Veloster (140 PS) 21.600 Euro. Der deutlich größere VW Scirocco ist mit 1.4-TSI-Motor (122 PS) schon ab 22.500 Euro zu haben. Zur Serienausstattung des Coupés zählen Klimaanlage, hintere Parksensoren, CD-Radio und Start-Stopp-Automatik.

Das Modell Cooper S Coupé mit 184 PS kostet ab 25.300 Euro, für die Dieselvariante Cooper SD Coupé mit 143 PS sind mindestens 26.300 Euro fällig. Sie ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern pro 100 Kilometer gleichzeitig das sparsamste Modell. Die Top-Version John Cooper Works kostet 31.150 Euro. Dafür bekommt man dann unter anderem elektronisches Sperrdifferenzial, Nebelscheinwerfer, Sportauspuff und besonders aerodynamische Schürzen und Schweller.

Noch etwas unvernünftiger wird es im nächsten Jahr: Dann bringt Mini die Roadster-Version – als Studie war das Cabriolet bereits auf der IAA 2009 zu sehen. Eine weitere Neuheit ist danach der Paceman, eine Art geschrumpfter BMW X6. Und falls die Designer Inspirationen für noch skurrilere Modelle suchen, empfiehlt sich ein Blick in die Vergangenheit: Den Ur-Mini gab es sogar als Pick-Up.