Einen riesigen Markt hatte Saab nie. Aber die Nische war für den schwedischen Autobauer ordentlich. In den achtziger Jahren waren Pkw von Saab das Auto für Berufsschullehrer, Architekten und Verlagslektoren, als Turbo auch für designbewusste Zahnärzte und Werbefuzzis auf der Suche nach Distinktionsgewinn. Leicht intellektuell, schwer individualistisch.

Schon der erste Saab sieht aus wie ein Requisit für einen Science-Fiction-Film. Das Versuchsmodell 92001, auch "Ursaab" genannt, besticht durch seine futuristische Tropfenform. Ganz so zukunftsweisend wie sein Prototyp ist der 1949 auf den Markt gebrachte Saab 92 nicht mehr, aber er holt trotzdem den Rekord in Windschlüpfigkeit: Einen geringeren cw-Wert als 0,3 hat damals kein Serienauto. Entworfen hat den Wagen der Designer Sixten Sason, von dem auch die legendäre Kamera Hasselblad 1600F stammt und der Saab bis zu seinem Tod 1967 treu bleibt.

Das aerodynamische Design kommt nicht von ungefähr, sondern aus der Luft: Saab ist eigentlich ein Flugzeug-Hersteller. Die 1937 gegründete Svenska Aeroplan AB (Schwedische Flugzeug AG) aus Linköping baut Kampfflieger für die schwedische Luftwaffe. Rechtzeitig vor Kriegsende sehen die Manager voraus, dass dieser Markt bald einen Einbruch erleiden wird. 1944 fällt deshalb der Beschluss, einen Pkw zu bauen: nicht zu groß, nicht zu teuer, in einer Nische unterhalb der Volvo-Limousinen.

1947 verwandelt der Flugzeugkonzern ein Firmengelände in Trollhättan, wo Saab bis heute sitzt, in eine Autofabrik. Weil der Markt für Rüstungsgüter aber nie so richtig nachlässt, baut Saab weiter auch militärische und zivile Flugzeuge sowie Waffensysteme. Von 1968 bis 1995 gehört auch der Lastwagen-Hersteller Scania zum Konzern, der sich in dieser Zeit Saab-Scania nennt. Die Pkw-Sparte wird erst 2000 vollständig ausgegliedert.

Der Start der Fliegerbauer auf dem Automarkt ist eindrucksvoll: Der Saab 92 (die Modelle 90 und 91 sind Flugzeuge) verkauft sich bis 1956 rund 20.000 Mal. Aus der Luftfahrt abgeschaut ist neben der Stromlinienform auch die cockpitartige Bedienkonsole samt Zündschloss in der Mittelkonsole zwischen den Sitzen, das verhindern soll, dass der Fahrer sich bei einem Unfall das Bein am Schlüssel aufschlägt. Später kommt die Вlack-Panel- oder Night-Panel-Taste, die alle Instrumente außer dem Tacho abdunkelt, um bei Nachtfahrten die Ablenkung zu minimieren.

Von Anfang an verdient sich Saab den Ruf, sichere Autos zu bauen. Schon der Ursaab hat eine Art Seitenaufprallschutz, die Fahrgastzelle ist stabil konstruiert. Es heißt, das komme daher, dass in Schweden an etwa jedem sechsten Autounfall ein Elch beteiligt ist. Die drei Prototypen des Saab 92 legen vor Beginn der Serienproduktion zusammen gründliche 530.000 Kilometer zurück. Der Frontantrieb und ein vom deutschen Unternehmen DKW importierter robuster Zweizylinder-Zweitaktmotor helfen dem Wagen durch skandinavische Winter.

Später wird der Saab 96 ab 1960 für Schweden etwa das, was VW Käfer und Golf für Deutschland sind. Bis 1980 wird er mit vielen Veränderungen rund 550.000 Mal gebaut. 1967 tauscht er den Dreizylinder-Zweitaktmotor gegen einen Viertakter mit vier Zylindern – den Standard-Antrieb bei Saab bis heute.