So wie sich Tag für Tag die Internationale Automobilausstellung (IAA) nähert, die am 15. September in Frankfurt beginnt, so schleicht sich Volkswagen an den Grundpreis heran, den man ab Jahresende für den neuen Kleinwagen VW up! verlangen möchte: "Er wird weit unter 10.000 Euro, aber über 9.500 Euro kosten", heißt es derzeit in Wolfsburg. Doch schon so manches notwendige Extra wie Start-Stopp-Automatik, das im Basis-up! nicht serienmäßig an Bord ist, wird die Schallmauer von 10.000 Euro durchbrechen.

Dennoch dürfte das 929 Kilogramm leichte Auto so manchen Neukunden anlocken: Für den noch nicht exakt bezifferten Basispreis gibt es einen Kleinwagen, der es locker mit seiner Konkurrenz aufnehmen kann. Wer glaubt, dass kleine Flitzer stets etwas billig wirken und sich eher anstrengend fahren lassen, wird sich hier eines Besseren belehren lassen müssen. Auch der up! ist innen wie außen ein VW mit der entsprechenden Qualität des Autobauers.

Grundmodell ist der Dreitürer mit einem 44 kW (60 PS) starken Dreizylinder-Benzinmotor. Gegen Aufpreis ist auch ein Benziner mit 55 kW (75 PS) im Angebot. Außerdem bietet VW eine Erdgas-Variante (CNG) mit 50 kW (68 PS) an. Während unserer ersten Testfahrt rund um Wolfsburg verbrauchte der große Benziner knapp 5,5 Liter auf 100 Kilometer und somit leider gut einen Liter mehr, als er laut Normzyklus schlucken sollte. Aber die fünf Gänge lassen sich gut durchschalten, und dank einer angenehmen Dämmung ist der typische Dreizylinder-Sound nur beim starken Beschleunigen zu hören.

Wie es sich gerade für ein Stadtauto gehört, bietet der 3,54 Meter lange up! eine gute Rundumsicht. Die kurzen Überhänge an Front und Heck machen das Einparken zum Kinderspiel. Damit während der Parkplatzsuche nicht aus Versehen dem Vordermann ins Heck gefahren wird, kann eine optionale City-Notbremsfunktion mitbestellt werden. Leicht ist das Einparken mit dem nur 1,64 Meter schmalen up!, doch schwierig gestaltet sich dann das Aussteigen. Nicht, weil der Sitz zu tief wäre oder der Fahrer zu unbeholfen, sondern, weil die Tür im Verhältnis zum Rest des Autos gewaltige Ausmaße annimmt und nahezu bis zu 90 Grad aufschwingen kann.

Der Innenraum bietet ausreichend Platz und lässt die Insassen schnell vergessen, dass sie in einem Kleinstwagen sitzen. Ein langer Radstand sowie der weit vorn angeordnete Motor sorgen für eine gute Raumausnutzung. Auch die Passagiere im Fond dürften sich nicht über zu wenig Raum beschweren – zumindest sofern sie unter dem Gardemaß von 1,90 Meter liegen. Die Sitze sind bequem, auch für längere Strecken. Positiv überrascht der leichte Einstieg in die zweite Reihe durch ein schnelles Zurückgleiten des Vordersitzes. Der Kofferraum hat ein Volumen von 251 Litern – klappt man die Rücksitzbank um, stehen 951 Liter zur Verfügung.

Drei Ausstattungsvarianten – und künftig auch mit Elektromotor

Für den Fahrer hat VW das Cockpit so gestaltet, dass es auf den ersten Blick verständlich ist. Die Klimaanlage wird über eine klar gegliederte Steuerung in der Mittelkonsole geregelt, der zwischen Drehzahlmesser und Tankanzeige mittig positionierte Tacho ist groß und deutlich. Die Materialauswahl wirkt alles andere als billig. Bedauerlich ist aber – vor allem für Menschen mit kurzen Armen – dass sich das Beifahrerfenster von der Fahrerseite aus nicht bedienen lässt. In der Fahrertür befindet sich lediglich ein Kippschalter für das eigene Fenster.

Für etwa 355 Euro zusätzlich ist das abnehmbare Informations-System PID des neuen Kooperationspartners Navigon mit an Bord. Mit seiner Hilfe lässt sich die Navigation, das Radio sowie das Handy bedienen. Gleichzeitig verfügt das PID über alle wichtigen Fahrzeuginformationen wie Spritverbrauch und Abstandsregelung beim Einparken. Dem App-Zeitalter angemessen kann das PID mit eigens für den up! entwickelten Software-Elementen gezielt erweitert werden.

Wem der Basispreis zwischen 9.500 und 10.000 Euro noch zu hoch ist, kann auf die günstigeren up!-Ableger der Volkswagen-Töchter Seat und Škoda warten. Doch auch jenseits der 10.000-Euro-Marke hat der up! viel Luft nach oben: VW bietet den Kleinwagen in den drei Ausstattungslinien take up!, move up! und high up! an. Noch edler sollen die Varianten up! black und up! white sein. Bei deutlich über 10.000 Euro dürfte der Preis für die Elektroversion liegen, die VW für das Jahr 2013 eingeplant hat. Trotzdem schwärmt VW-Chef Martin Winterkorn schon jetzt: "Der up! Blue-e-Motion wird das Elektroauto für die Großstadt – technisch ausgereift, alltagstauglich und bezahlbar." Das wird dann wohl erst die nächste IAA zeigen.