"Man kann eine Idee nicht töten, deren Zeit gekommen ist", glaubt Chris Paine. Der Regisseur zeigt in den USA seinen neuen Dokumentarfilm The Revenge of the Electric Car, die Rache des Elektroautos. Für Fans elektrisch angetriebener Fahrzeuge dürfte der 90-Minüter zum Pflichtprogramm werden, denn er dokumentiert, wie große Autohersteller, mutige Start-ups und enthusiastische Bastler mit aller Macht versuchen, dem Elektroauto endgültig zum Durchbruch zu verhelfen.

Damit zeichnet Paine das Gegenbild zu seinem vor fünf Jahren erschienenen, mittlerweile legendären Film Who Killed the Electric Car?. Darin untersuchte der Dokumentarfilmer das Scheitern eines riesigen Elektroauto-Feldversuchs in den neunziger Jahren. Angetrieben von einem geplanten kalifornischen Gesetz, das Autohersteller zu einer Stromer-Quote verpflichten sollte, brachten General Motors, Ford und Toyota Elektroautos in Kalifornien auf die Straßen.

General Motors (GM) hatte die Welt schon 1990 mit einem Stromer-Konzeptfahrzeug überrascht und in den Jahren danach zum Modell EV1 weiterentwickelt. Ab 1996 wurden mehr als 1.000 Exemplare des EV1 an ausgewählte Kunden verleast. Die zeigten sich trotz der geringen Reichweite oft begeistert von ihrem Elektro-Pionier. Zu den EV1-Testfahrern zählten auch Promis wie Tom Hanks und Mel Gibson. Ab 2002 holte sich GM jedoch sämtliche Fahrzeuge zurück.

Halbherzig agierende Autohersteller

Who Killed the Electric Car? hält fest, wie die letzten Autos trotz des Protestes zahlreicher EV1-Fans unter Polizeischutz auf Lkw verladen und später in der Wüste Arizonas verschrottet wurden. Nur wenige EV1 haben überlebt. "GM hat sich damals viele Feinde gemacht", erinnert sich Ron Freund, Vorsitzender der kalifornischen Electric Auto Association (EAA). Einige EV1-Fahrer wollten ihre Autos dem Konzern abkaufen, doch der weigerte sich.

Chris Paines Film ermittelt in einer Art Prozess, wer Schuld hat am Tod des Elektroautos: die Politik zum Beispiel, die auf Druck von Lobbyisten – darunter die Ölindustrie und mehrere Autohersteller – die strenge Gesetzgebung Kaliforniens gekippt habe; die Verbraucher, die in der Mehrzahl nicht bereit seien, die Einschränkungen eines Elektroautos hinzunehmen; und natürlich die Autobauer selbst, die aus Angst, mit Elektroautos nicht schnell genug Geld verdienen zu können und gleichzeitig ein lukratives Wartungs- und Ersatzteilgeschäft zu verlieren, gegen die Umweltgesetze gekämpft und ihre Stromer nicht einmal halbherzig vermarktet hätten.

In The Revenge of the Electric Car ist der Frust über das unrühmliche Ende des EV1 nun wie weggeblasen. Stattdessen feiert Chris Paine die Wiederauferstehung der Elektroautos. Er beleuchtet eine Industrie am Scheideweg und begleitete dazu vier Jahre lang Personen, die die Branche revolutionieren wollen. Dazu gehört – ausgerechnet – das GM-Urgestein Bob Lutz. Der wandelte sich offenbar vom Saulus zum Paulus und wurde ein glühender Verfechter des Elektroautos Chevrolet Volt, obwohl man den Zigarre rauchenden Manager bislang eher als Fan althergebrachter Spritfresser kannte. Der Volt wird seit Ende 2010 in den USA verkauft, pro Jahr will GM bald 60.000 Stück bauen. Damit hat der Autokonzern seine Vorreiterstellung zumindest teilweise wieder zurückerobert.