Mit harten Bandagen kämpfen Hyundai, Toyota, Kia, Chevrolet und Ford in den USA im Mittelklasse-Segment gegeneinander. Die Preise sind niedrig, die Ausstattungen ordentlich. Jetzt mischt auch ein Star aus Deutschland mit: Im September hatte der VW Passat seinen US-Marktstart. Hierzulande ist er seit Jahren ein Bestseller – diesen Status könnte der Passat auch in den USA erobern.

Allerdings hat der Passat mit Produktionsstandort Chattanooga nicht viel mit dem europäischen Modell gemein. Das beginnt schon mit dem Preis: VW bietet den Passat in den USA ab 19.995 Dollar an, das sind umgerechnet gerade einmal 14.500 Euro. Darin sind die meist üppig dimensionierten Händlerrabatte und Sonderaktionen in TV und Zeitungen noch nicht eingerechnet. Hinzu kommt allerdings noch die je nach US-Bundesstaat unterschiedliche Mehrwertsteuer. Zum Vergleich: In Deutschland verlangt VW bereits 24.775 Euro für das schwach ausgestattete Basismodell.

Allerdings muss der US-Kunde auf moderne Motoren mit Turboaufladung oder Direkteinspritzung verzichten und sich mit dem betagten 2,5-Liter-Triebwerk begnügen, das seit Jahren zahlreiche VW-Modelle in den USA befeuert. Der brummige Fünfzylinder mit 125 kW (170 PS) ist aber kräftig genug, um im Vergleich der dort angebotenen Mittelklasse-Modelle gut mitzuhalten. Der 1.450 Kilogramm schwere US-Passat kommt so auf einen Sprint von 0 auf 100 Stundenkilometer in weniger als neun Sekunden, das Höchsttempo liegt bei 190 km/h.

Kein Billigheimer

Der Verbrauch je 100 Kilometer liegt zwischen acht Litern auf dem Highway und elf Litern im Stadtverkehr. Das ist kein Spitzenwert, aber für amerikanische Verhältnisse schon ganz vernünftig – zumal die angegebenen Verbräuche dort realitätsnaher gemessen sind als in Europa. So schafft der Motor bei einem Tankvolumen von 68 Litern eine Reichweite von bis zu 900 Kilometern. Eine spritsparende Start-Stopp-Automatik oder regenerative Bremsen gibt es im US-Modell nicht. Der Preis macht in den USA eben die Musik. Doppelkupplung oder Allradantrieb fehlen ebenfalls im Angebot. Verzichten muss der Fahrer des US-Passat zudem auf ein breites Paket von Fahrerassistenzsystemen.

Ein Billigheimer ist der amerikanische Passat dennoch nicht. Die Verarbeitung ist sehr ordentlich. Die Oberflächen im Innenraum sehen hochwertig aus und fühlen sich auch so an – der Passat kommt ohne die preiswerten Kunststoffe aus, die man in der US-Mittelklasse von zahlreichen Wettbewerbern kennt. Schließlich will Volkswagen die starke Konkurrenz auf dem US-Markt insbesondere mit Qualität unter Druck setzen.

Dank des 2,8 Meter langen Radstandes haben vier Erwachsene ohne Probleme Platz; die Sitze – optional elektrisch verstell- und beheizbar – sind auf langen Touren zwischen Los Angeles und Las Vegas oder San Francisco und San Diego eine Wohltat. Das Gepäck passt gut in den 453 Liter fassenden Kofferraum. Eine Durchlade in der hinteren Mittelarmlehne und eine umklappbare Rückbank erweitern die Transportmöglichkeiten noch.

Der US-Passat überzeugt auch mit einem tadellosen Fahrverhalten. Das Fahrwerk ist US-typisch komfortabel-weich abgestimmt. Die Lenkung ist eine Spur zu leichtgängig, und die in Europa längst eingeführte elektrische Servo-Unterstützung, die die Einparkautomatik erst ermöglicht, sucht man hier ebenfalls vergeblich. Doch die leichtgängige Servolenkung und ein etwas dünnes Bremsgefühl dürften selbst in Europa kaum jemanden stören.