Vor einer Viertelstunde ist Herr Zhang* mit Frau, Tochter und Enkelin in den Smart-Shop gekommen. Er im Freizeithemd und Jeans, die Damen in schicken westlichen Markenkleidern, das Kleinkind fein herausgeputzt. Die Verhandlungen mit der jungen Verkäuferin im schwarzen Kostüm sind intensiv, auch der Chefverkäufer des Shops muss kurz konsultiert werden. Aber dann ist alles klar. Herr Zhang holt eine seiner vielen Kreditkarten aus der Brieftasche. Der Deal ist perfekt, Familie Zhang kann den kleinen Zweisitzer aus Europa gleich mitnehmen. Ein unauffälliger Grauton soll es sein. Der Wagen sei für seine Frau, sagt Herr Zhang. Das sei ein praktisches Auto, wenn sie einkaufen gehe, sagt Frau Zhang. Ihr Ehemann erzählt noch, dass die Familie über zwei weitere Autos verfüge – "einen Porsche und einen BMW".

Die Zhangs haben ihren Smart in einem großen Einkaufszentrum in Shenzhen gekauft. Als wirtschaftliche Sonderzone, direkt an der Grenze zu Hongkong gelegen, hat die Millionenstadt zahlreiche Industrien angelockt. Und ihre Bürger zeigen gerne, wenn sie es zu etwas gebracht haben. Ein großes Auto, möglichst einer westlichen Luxusmarke, gilt als Statussymbol schlechthin. Besonders die Langversionen von Audi, BMW oder Mercedes sind bei Parteikadern, Unternehmern und Managern in China seit Jahren gefragt.

Bewusst in die Nähe von Mercedes gestellt

Warum soll das, was mit großen deutschen Autos funktioniert, nicht auch mit dem kleinen Smart klappen, dachten sich Kenny Leung und seine Kollegen der Händlergruppe Zungfu, die mehrere Mercedes-Autohäuser in Hongkong, Macau und Südchina betreibt. Ihren Smart-Shop haben sie mitten in einem Shoppingcenter aufgemacht, dort wo die markenverrückten Chinesen bei Zara oder im Swatch-Shop nach den neuesten West-Produkten Ausschau halten.

Der Laden war einer der ersten, der nach der Einführung der kleinen Mercedes-Schwestermarke auf dem chinesischen Markt im Jahr 2009 eröffnete. Der Anfang sei etwas holprig gewesen, räumt Stefan Herbert ein, der den Smart-Verkauf in China leitet, die Marke sei hier noch nicht so bekannt gewesen. Doch das habe sich gründlich geändert. Jetzt kann der schwäbische Jungmanager aus Daimlers China-Zentrale in Peking bei seinem Besuch in Shenzhen direkt miterleben, wie gut das Geschäft läuft. 560 Smarts habe man in dem Shop dieses Jahr schon verkauft, berichtet der Manager des Ladens, Oscar Wu.

Und auch die übrigen 45 Smart-Händler in den chinesischen Millionenmetropolen waren nicht untätig. 10.000 Smarts konnten sie allein schon in diesem Jahr an die Kundschaft im Lande bringen. "Damit ist China der drittgrößte Markt für uns nach Deutschland und Italien", sagt Smart-Chefin Annette Winkler. Die dynamisch auftretende Managerin ist extra aus dem Schwabenland eingeflogen, um den Erfolg auf der Automesse in der südchinesischen Metropole Guangzhou (Kanton), gut 100 Kilometer nordwestlich von Shenzhen, zu feiern.

"Der Smart wird hier als kompaktes Premiumauto verstanden", sagt Winkler, "die Käufer möchten sich von der Masse abheben." Als "Lifestyle-Produkt" habe man den Zweisitzer positioniert und bewusst in die Nähe von Mercedes gerückt. Angesichts des hohen Prestiges, welches die Marke mit dem Stern hier genießt, sicher kein falscher Schachzug.