ZEIT ONLINE:  Herr Lodberg Høj, sind die Dänen ein Volk der Elektroauto-Fans?

Jens ChristianLodberg Høj: Insgesamt ist die Bevölkerung recht gespalten. Aber das ist in den anderen Ländern in Europa auch nicht anders. Es gibt einige Skeptiker, aber viele sind auch sehr interessiert. Unser Projekt Try1EV, in dem wir Familien für einen längeren Zeitraum ein Elektroauto zum Test zur Verfügung stellen, ist auf große Resonanz gestoßen. Das Projekt endet im nächsten Jahr und ist auf hundert Familien ausgelegt. Wir haben viele Bewerbungen bekommen und versuchen, eine heterogene Gruppe von Familien auszuwählen, um so viel unterschiedlichen Input wie möglich zu bekommen. Bisher haben wir mehr als 70 Familien ein E-Mobil überlassen.

ZEIT ONLINE: Und wie fanden sie es?

Lodberg Høj: Die allermeisten sind sehr zufrieden. Die Familien, die bei dem Projekt mitmachen, dürfen in der Zeit, in der sie das Elektroauto von uns bekommen, nur dieses Fahrzeug benutzen. Mehr als 90 Prozent bekommen das problemlos hin und äußern sich sehr zufrieden.

ZEIT ONLINE: Und die restlichen zehn Prozent?

Lodberg Høj: Die haben sich vor allem kritisch über die Nutzung im Winter geäußert. Es hat anfangs viele überrascht, dass die Energie für die Heizung auf Kosten der Reichweite geht. Außerdem entsprachen die ersten Elektroautos, die wir in dem Projekt eingesetzt haben, nicht der Qualität, die die jetzt am Markt angebotenen Elektroautos haben. Aber d ie große Mehrzahl unserer Testfamilien kann sich die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs vorstellen.

ZEIT ONLINE: Was hindert sie daran?

Lodberg Høj: Die Kosten. Ein Elektroauto ist im Moment einfach noch zu teuer, verglichen mit einem herkömmlichen Auto, vor allem in den kleineren Fahrzeugklassen. Bei dem neuen Modell S von Tesla – einem elektrisch angetriebenen Fahrzeug der oberen Mittelklasse – sieht das schon anders aus.

ZEIT ONLINE: Obwohl der Tesla S beim Marktstart 2012 zunächst 77.400 Dollar kosten wird?

Lodberg Høj: Das klingt nach viel, doch tatsächlich kostet der Tesla S in Dänemark etwa so viel wie ein Audi A4. Das liegt an der Luxussteuer: Sie beträgt 180 Prozent für alles, was teurer als 70.000 dänische Kronen (rund 9.418 Euro) ist. Das hebt den Preis für den A4 auf das Niveau des Tesla S. Allerdings fällt für den Tesla S keine Luxussteuern an, denn auf Elektroautos wird sie nicht erhoben. Somit kosten beide unter dem Strich etwa eine halbe Million dänische Kronen (67.269 Euro).

  ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Deutschland hier von Dänemark lernen kann?

Lodberg Høj: Über steuerliche Anreize muss die Politik in Berlin entscheiden. Bei Ihnen gibt es ja keine Luxussteuer auf Autos, die man für E-Mobile erlassen könnte. Aber finanzielle Anreize helfen ungemein dabei, Elektromobilität zu forcieren. Schauen Sie nur nach Norwegen! Das Land hat die weltweit höchste Anzahl von Elektroautos pro Kopf. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Norwegen auf Elektroautos keine Steuern erhebt – keine Luxussteuer, aber auch keine Mehrwert- und Kfz-Steuer. In Österreich, Italien oder Frankreich könnte man beispielsweise Elektroautos von den Autobahngebühren befreien.