Der Frendzy soll beides sein: ein urbanes Gewerbefahrzeug und ein Familienauto. Deshalb versucht Renault mit seinem elektrisch angetriebenen Konzeptmobil, zwei Welten zu vereinen. Das Ergebnis ist ein ziemlich asymmetrisch aussehendes Fahrzeug: eine Schiebetür auf der Beifahrerseite, sich gegenläufig öffnende und verglaste Türen auf der Fahrerseite. "Die Entwicklung einer asymmetrischen Karosserie ist der logische Ausdruck der doppelten Nutzung des Fahrzeugs", sagt Außendesigner Deyan Denkov.

Die Fahrerseite dient gewissermaßen der Familie: Über die Portaltür ist die Rückbank bequem zu erreichen. Der Beifahrer steigt über eine herkömmliche Tür ein. Die Passagiere stellen ihre Füße auf Eichenbohlen ab: "Der Holzfußboden soll die häusliche Wohnzimmer-Atmosphäre ins Auto übertragen", erklärt die Interieur-Designerin Ana Zadik die ungewohnte Materialverwendung.

Da in einem Familienfahrzeug auch Kinder kutschiert werden, bauten die Designer in den Prototyp berührungsempfindliche Tablet-PC zum Spielen ein. Die auf der Innenseite der Schiebetür integrierte Schiefertafel wird wohl ein Konzept bleiben. Die große Schiebetür selbst ist Teil der zweiten Verwendungsweise des 4,09 Meter langen Renault Frendzy. In ein Lieferfahrzeug sollen schließlich auch große Gegenstände eingeladen werden können.

Statt der Seitenscheibe ist ein 37-Zoll-Bildschirm in die Schiebetür integriert. Darauf kann ein gewerblicher Frendzy-Nutzer etwa Werbung platzieren, seine Dienstleistung benennen oder eine kurze Nachricht "Komme gleich wieder" hinterlassen, wenn er etwa gerade Waren ausliefert. Für die Dienste als Citylieferwagen bietet der Frendzy ein Ladevolumen von bis zu 2.250 Litern – wenn man die Rückbank im Holzboden versenkt. Auch der Beifahrersitz lässt sich nach vorn kippen, damit man sperriges Liefergut unterbringt.

Kühl wirkender Innenraum

Die Idee einer Privat- wie Geschäftsnutzung des Frendzy steckt sogar in der Innenbeleuchtung. Die Designer lassen die Leuchten mal orange, mal grün strahlen, je nach Verwendung des Fahrzeugs. So ist der Innenraum im Berufsmodus in ein sanftes Grün und im Familienmodus in Orange getaucht. Zudem drehen sich die Außenspiegel von der waagerechten in eine senkrechte Position, wenn vom Freizeit- in den Berufsmodus gewechselt wird.

Das Interieur des Frendzy wirkt futuristisch, nüchtern und wenig einladend – ganz entgegen dem Namen des Fahrzeugs. Dazu trägt nicht allein der kühle Holzboden bei. Auch die frei schwingenden Schalensitze sehen nicht wirklich gemütlich aus. Der Wagen soll offenbar trotz seiner Zwitter-Bauart in erster Linie ein Nutzfahrzeug für urbane Gewerbetreibende sein.

Das belegt auch eine Ausfahrt mit dem Prototypen. Der Frendzy fährt sich behäbig, die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern ist wohl ein Wunschwert – bei unserer Testrunde ist das Limit schon bei gut 95 km/h erreicht. Der Einsatzort soll in erster Linie wohl der Stadtverkehr sein. Trotz seines Elektroantriebs ist der 1.420 Kilogramm schwere Wagen während der Fahrt im Innenraum recht rumplig.

Von außen wirkt der Frendzy wie die noch rundlichere Ausgabe des Renault-Hochdachkombis Kangoo. Von dessen Elektrovariante Kangoo Z.E., die noch in diesem Jahr auf den Markt kommt, haben sich die Entwickler des Frendzy auch den Motor geliehen, ein 44 kW (60 PS) starkes Elektro-Aggregat. Den Strom bekommt es aus Lithium-Ionen-Batterien, die im Fahrzeugboden untergebracht sind. Die Kapazität von 22 kWh soll für 170 Kilometer Reichweite sorgen. Preise nennt Renault für das Konzeptfahrzeug verständlicherweise nicht. Der elektrisch angetriebene Renault-Lieferwagen Kangoo Z.E. soll netto 20.000 Euro kosten – allerdings ist darin die Batterie nicht enthalten, die bei Renault dazu gemietet wird.