Zwei Jahrzehnte lang sank die Zahl der Verkehrstoten – doch dieser positive Trend kippt. Erstmals seit 1991 steigt die Zahl der Menschen, die auf den Straßen in Deutschland tödlich verunglücken, wieder. Von Januar bis September dieses Jahres kamen 2.938 Menschen bei Unfällen ums Leben, das waren 5,9 Prozent mehr als in den ersten drei Quartalen 2010, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Experten können über die Gründe dafür nichts Konkretes sagen. Sie verweisen zwar auf das Wetter als eine Ursache für den Anstieg – im warmen und trockenen Frühjahr waren mehr Menschen auf den Straßen unterwegs als im Vorjahr und es wurde mehr Motorrad und Fahrrad gefahren. Allerdings stieg auch in den Monaten August und September die Zahl der tödlichen Unfälle im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresmonaten. Dafür haben die Statistiker bisher keine Erklärung.

Gleich in sieben von neun Monaten dieses Jahres war die Zahl der Verkehrstoten höher als im Vorjahr. "Das ist keine Momentaufnahme wie bei einzelnen Monaten mehr", kommentiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), die Zahlen. Es könne sich um Hinweise auf eine Tendenz zum Schlechteren handeln. Möglicherweise hätten sich die Behörden, aber auch die Verkehrsteilnehmer selbst angesichts der immer geringeren Verkehrstotenzahlen der vergangenen Jahre in einer trügerischen Sicherheit gewogen, meint Lottsiepen.

"Nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau"

2010 wurde der bisherige Tiefststand erreicht: Im ganzen Jahr starben auf den deutschen Straßen 3.648 Menschen bei Verkehrsunfällen – so wenig wie noch nie seit Beginn der Statistik. Der Höchststand lag bei 21.332 Unfalltoten im Jahr 1970 (zusammengerechnet in Bundesrepublik und DDR).

Darum verweist der Automobilclub ADAC auch darauf, dass die Zahl der Verkehrstoten im laufenden Jahr – trotz des Anstiegs – nach wie vor niedrig ist. "Jeder Verkehrstote ist natürlich immer einer zu viel", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. "Aber es ist auf jeden Fall auf sehr niedrigem Niveau." Den Anstieg erklären kann aber auch Hölzel nicht. "Man muss dran bleiben und darf in den Anstrengungen nicht locker lassen, um zurück auf die Erfolgsspur zu kommen", sagt der ADAC-Sprecher.

Der Auto Club Europa (ACE) warnt davor, äußere Einflüsse wie die vielen Baustellen im Sommer oder mehrere starke Gewitter im September etwa in Sachsen-Anhalt für den Anstieg verantwortlich zu machen. "Der Regen macht nicht den Unfall. Entscheidend ist das persönliche Fahrverhalten", sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.