Audi hat sein erfolgreichstes Fahrzeug überarbeitet. Von keinem Modell verkauft die Volkswagen-Tochter so viele Exemplare wie vom A4, in seinem Segment hat er einen Marktanteil von fast 15 Prozent. Darum hat der Autohersteller sein Erfolgsmodell nur behutsam verändert.

Bei der ersten Ausfahrt zeigt sich schnell: Der A4 hat keine seiner bekannten Pluspunkte eingebüßt. Die Verarbeitung ist nach wie vor auf hohem Niveau, die Sitze sind bequem, und auch auf längeren Fahrten bekommen vier Personen nicht irgendwann das Gefühl, eingeengt zu sein – auch im Fond. Schon nach wenigen Kilometern macht sich in Serpentinen eine weitere Stärke des A4 bemerkbar: das Fahrwerk. Auch enge Kurven quittiert der Wagen mit erstaunlich wenig Seitenneigung.

Doch wo stecken im Fahrzeug nun die Neuerungen? Zum Beispiel in der präzisen elektromechanischen Servolenkung: Anders als die konventionelle hydraulische Variante verbraucht die Neuentwicklung im Geradeauslauf keine Energie und trägt so zur Verbrauchsreduzierung bei. Gleichzeitig lässt sich die Einstellung der Lenkung nach den eigenen Vorlieben anpassen. Der Fahrer kann selbst bestimmen, ob er mehr Unterstützung braucht, weil er im engen Großstadtverkehr viel kurbeln muss, oder ob er eher eine sportlich-direkte Lenkung haben möchte.

Am meisten hat sich beim A4 unter der Motorhaube getan. Audi hat den Durchschnittsverbrauch der gesamten Motorenpalette um über zehn Prozent gesenkt – vor allem durch Optimierungen der Triebwerke. Doch auch der serienmäßige Einsatz von Start-Stopp-Systemen drückt den Verbrauch.

Die stärkste Motorisierung bietet der drei Liter große TDI-Dieselmotor mit 180 kW (245 PS) und einem Drehmoment von bis zu 500 Nm. Er bringt den Wagen in 5,9 Sekunden vom Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Den Normverbrauch gibt Audi mit 5,7 Litern auf 100 Kilometer an. Von diesem Sechszylinder gibt es auch eine schwächere, verbrauchsärmere Version. Sie liefert 150 kW (204 PS), das maximale Drehmoment liegt bei 400 Nm. Der Motor benötigt für 100 Kilometer im Schnitt 4,9 Liter. Dennoch reicht die Leistung immer noch für ein stattliches Höchsttempo von 235 Stundenkilometern.

Noch genügsamer ist der zwei Liter große TDI, den es in fünf Ausführungen gibt: mit 120, 136, 143, 163 und 177 PS. Am effizientesten ist die 136-PS-Variante, die auf 100 Kilometer mit durchschnittlich 4,3 Litern Diesel auskommt. Aber auch der 177-PS-TDI braucht im Mittel gerade einmal 4,6 Liter je 100 Kilometer.

Bei den Ottomotoren ist der neue Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum und 125 kW (170 PS) Leistung der effizienteste. Der Verbrauch sank gegenüber dem 160-PS-Vorgängermodell um 18 Prozent auf 5,7 Liter je 100 Kilometer. Dennoch kommt der Fahrspaß nicht zu kurz. Der Einsteiger-Benziner 1.8 TFSI mit 88 kW (120 PS) ist dagegen nicht mehr als eine solide Basis. Als Allradversion bietet Audi nur einen Vierzylinder-Benziner an, den 2.0 TFSI mit 211 PS. Der stärkste Benziner ist der drei Liter große Sechszylinder. Im A4 hat er 272 PS und verbraucht im Schnitt 8,1 Liter pro 100 Kilometer, im sportlichen Modell S4 erhöht sich seine Leistung auf 333 PS. Das Höchsttempo liegt bei 250 Stundenkilometern.

Außerdem hat Audi im A4 das Fahrdynamik-System Drive Select um einen Modus ergänzt. Der Fahrer kann jetzt zwischen Comfort, Auto, Dynamic und Efficiency wählen. Das System optimiert die Lenkunterstützung, die Dämpfung, die Gaspedal- und Schaltkennlinie, den Fahrassistenten und weitere Geräte für den jeweils gewünschten Modus. Der Efficiency-Modus liefert dabei besonders gute Verbrauchswerte.

Der Basispreis für den Audi A4 1.8 TFSI beginnt mit mäßiger Serienausstattung bei 27.500 Euro. Mit den optional verfügbaren Assistenzsystemen kann der Käufer den Preis nach oben treiben, aber sich zugleich das Gefühl gönnen, eine Oberklasselimousine zu fahren. Gegen Aufpreis gibt es zum Beispiel ein Fahrerinformationssystem, das auch Pausenempfehlung gibt. Es erkennt an den Lenkbewegungen und weiteren Parametern den Grad der Ermüdung. Die A-4-Versionen mit mehr als 88 kW Leistung enthalten diese Technik serienmäßig.

Optional gibt es auch einen Abstandstempomaten. Bei Geschwindigkeiten unter 30 Stundenkilometer leitet das System eine Vollbremsung ein, falls ein Auffahrunfall droht. Der Spurhalteassistent unterstützt den Fahrer, auf seiner Bahn zu bleiben. Eine Kamera erkennt hierfür die Linien auf der Straße. Bei Bedarf greift die Technik leicht in die Lenkung ein und korrigiert. Der Audi Überholassistent überwacht den Raum hinter dem Fahrzeug per Radar und erkennt, wenn sich ein anderes Auto im toten Winkel befindet. Alle diese Einbauten kosten extra.

Weitere Elektronik ist von den höheren Audi-Baureihen in den A4 eingezogen: das Multimedia-System MMI Navigation. Wenn gewünscht, kann es zum MMI Navigation plus mit Sprachbedienung erweitert werden. Darin inbegriffen ist dann eine Festplatte, ein Farbmonitor mit detailreicher 3-D-Grafik und eine Bluetooth-Schnittstelle. Ab Ende Januar sind die neuen A-4-Modelle im Handel. Damit ist das Audi-Modell aus Ingolstadt auf Augenhöhe mit seinem direkten bayerischen Mittelklasse-Konkurrenten aus München: BMW bringt den neuen 3er Mitte Februar auf den Markt.