Jedes gesetzte Häkchen auf der Liste der optionalen Ausstattungsdetails schmerzt beim Neuwagenkauf ein wenig. Beim Aufpreis von 300 Euro für einen Tempomaten beantworten viele die an sich selbst gerichtete Frage nach dem Zukauf mit einem "Nein danke, mache ich lieber selbst". Doch diese Zeiten sind bei den meisten aktuellen Fahrzeugmodellen vorbei. Reichte ein Lenkstockhebel und ein wenig Knowhow bei einem Golf IV oder einem Alfa Romeo 147 Baujahr 2005, sollte man heutzutage die Finger von der Lenksäule lassen.

Die für den Tempomat-Einbau benötigte Elektronik ist zwar im Auto verbaut, die Umprogrammierung beziehungsweise Umcodierung ist heute aber so gut wie unmöglich. Der Grund dafür liegt im seit 2003 verbreiteten Konzept der sogenannten verteilten Funktionen. Dabei ist ein Hauptsteuergerät für den gesamten Funktionsablauf verantwortlich. Es sammelt sämtliche Eingangsinformationen und bildet daraus bestimmte Anforderungen, die es als Botschaft über das Datenbussystem an die beteiligten Steuerkomponenten sendet. Diese steuern dann ihre angeschlossenen Geräte entsprechend. Wird ein Tempomat selbst installiert und das vermeintlich richtige Steuergerät codiert, kann es passieren, dass das ABS ausfällt oder falsch einsetzt.

Ähnliches gilt für bereits im Fahrzeug integrierte Software, die gegen Aufpreis aktiviert werden kann. Wer zum Beispiel beim aktuellen Audi A1 für 570 Euro das Connectivity Paket inklusive Navigationsvorbereitung bestellt, erhält ungewusst das Navigationspaket im Wert von 1.160 Euro – ohne es jedoch nutzen zu können. Wer es freischalten lassen möchte, zahlt knapp 350 Euro. Dazu kommt das Kartenmaterial für 249 Euro. Somit ist die nachträgliche Freischaltung neun Euro teurer als der Listenpreis.

Heikles Thema

Audi begründet dieses Vorgehen damit, vor allem für jüngere Kunden den Gesamtfahrzeugpreis niedriger halten zu wollen. Diese hätten so die Chance, sich nicht sofort für das aufpreispflichtige festeingebaute Navigationssystem entscheiden zu müssen. Zugleich schafft sich Audi damit einen weiteren Verkaufsvorteil in den Ländern, in denen eine hohe Luxussteuer beim Autokauf anfällt. Dort kann der Kunde das Fahrzeug zum günstigeren Preis ohne Navigationssystem bestellen, zahlt die auf Basis des Preises berechnete Luxussteuer und lässt anschließend bei seinem Händler das Navigationssystem freischalten.

Doch nicht alle Hersteller nutzen die Möglichkeit von verborgenen Zusatzeigenschaften, die gegen Aufpreis aktiviert werden können. In aktuellen Modellen des französischen Herstellers Renault etwa lässt sich lediglich die Sprache des Bordcomputers nachträglich ändern. "Wenn die jeweilige Option nicht mitbestellt wird, werden die Kabel nicht verbaut. Somit kann auch keine Funktion nachträglich mit dem Laptop freigeschaltet werden", erklärt Pressesprecherin Uta Nolte.

Ohnehin ist das Thema heikel, in der Branche spricht man nicht gern offen darüber. Bei Opel in Rüsselsheim will man sich nicht zu versteckten Features in aktuellen Modellen äußern. Allerdings kursieren in einigen Opel-Foren im Internet Anleitungen etwa zur Freischaltung von Bordcomputern in früheren Modellen. Ein YouTube-Video zeigt beispielsweise in gut zwei Minuten, wie man in einem Opel Zafira aus dem Jahr 2008 den Bordcomputer freischaltet und um ein paar zuvor verborgene Informationen erweitert. Beim aktuellen Zafira rät ein Bochumer Opelhändler – aus seiner Sicht nachvollziehbar – dazu, den großen Bordcomputer zu bestellen, anstatt darauf zu vertrauen, dass es eine Werkstatt gibt, die den günstigeren Bordcomputer für einen Aufpreis aufwertet.