China bietet für Hersteller von Elektroautos derzeit die größten Absatzchancen. Das zeigt eine neue Studie, die der Autozulieferer Continental am Donnerstag in Hannover vorgestellt hat. Demnach können sich schon heute 14 Prozent der Chinesen vorstellen, ein E-Mobil zu kaufen. Dagegen sind es in Deutschland nur vier, in den USA zwei und in Frankreich ein Prozent.

Berücksichtigt wurden dabei das überwiegende Fahren von Kurzstrecken und die Bereitschaft, einen höheren Preis für ein Elektroauto zu zahlen. Die Studie wurde vom Markt- und Sozialforschungsinstitut Infas im Auftrag von Continental erstellt. Der Zulieferer ließ rund 4.000 Autonutzer in vier Ländern und zehn Metropolen befragen.

Demnach erwarten 64 Prozent der chinesischen Autofahrer, dass zwischen 2015 und 2021 Elektroautos alltagstauglich sein werden – in Deutschland rechnen damit in der genannten Zeitspanne nur 49 Prozent. Frankreich liegt auch hier mit 13 Prozent auf dem letzten Platz. Die grundsätzliche Absicht, sich später einmal ein E-Mobil anzuschaffen, divergiert ebenfalls deutlich. In Deutschland sagten dies 15 Prozent und in China 58 Prozent der Autofahrer aus der Stichprobe – in Frankreich äußerten gerade einmal 8 Prozent diese Absicht.

Hersteller halten "Reichweiten-Angst" für überschätzt

"Die Leute haben eine ganz klare Forderung: Sie erwarten Mittelklasseautos zu bezahlbaren Preisen", kommentierte Conti-Marktforscher Klaus Sommer die Resultate der Studie. Für viele spiele auch die Umweltfreundlichkeit eine zentrale Rolle. Kritiker weisen darauf hin, dass die von Autoherstellern gern genannten Null-Emissionen von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen nur dann wirklich stimmen, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Wasserkraft stammt.

Und die eingeschränkte Reichweite von Elektroautos, die immer wieder als Kritikpunkt angeführt wird? Sommer geht davon aus, dass die Zweifel abnehmen werden. Ähnlich sieht man das auch bei VW. Der Autobauer testet seit Juni 80 Fahrzeuge der Golf-Elektrovariante im Alltag von Berlin, Hannover und Wolfsburg. Die Zwischenbilanz fällt aus Sicht des Unternehmens positiv aus. Für die Mehrzahl der Tester hätten sich 150 Kilometer Reichweite als ausreichend erwiesen, sagt der Leiter Elektroantriebe bei VW, Rudolf Krebs – denn das Zielgebiet seien ohnehin Innenstädte.

Conti-Marktforscher Sommer fürchtet nicht, dass die "Reichweiten-Angst" ein ernstes Problem für die wirklich interessierten Kunden ist – für die Skeptiker aber schon, schiebt er hinterher: "Drei Viertel der Deutschen würden sich daran stören, wenn ihr Auto alle 150 Kilometer an die Ladestation muss."

Carsharing könnte Elektromobilität forcieren

Fachmann Ferdinand Dudenhöffer sieht im Carsharing die Chance, Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. "Carsharing ist eine gute Möglichkeit, diese Autos selbst zu fahren", sagt der Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. Die Menschen seien an sich sehr offen gegenüber E-Mobilen, doch potenzielle Käufer müssten die Fahrzeuge durch eigenes Probieren kennenlernen, statt nur technische Daten aufgezählt zu bekommen. Carsharing biete die Gelegenheit, Elektroautos zu testen. Auch VW sowie die Konkurrenten Daimler und BMW sehen die Teilzeit-Vermietung elektrisch angetriebener Autos als Mittel, um den Autofahrern ein Gefühl für die neue Antriebstechnik zu geben.

Der Absatz von elektrisch angetriebenen Autos ist in Deutschland bislang sehr überschaubar. In den ersten elf Monaten 2011 kamen laut Dudenhöffer gerade einmal 1.808 Elektroautos neu auf die Straße. Davon wurden nur 101 von Privatleuten gekauft. 92 Prozent der Exemplare seien bei Autobauern, Autohändlern oder Unternehmen wie etwa Stromkonzernen neu zugelassen worden, sagte Dudenhöffer.