Der Optimismus lässt sich an einer Zahl festmachen: Die Detroit Motor Show 2012 , die ab Samstag fürs breite Publikum geöffnet ist und bis zum 22. Januar läuft, belegt rund 2.400 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche als im Jahr zuvor. Kein gigantischer Zuwachs, aber immerhin ein Schritt nach vorn. Von der mäßigen und bisweilen depressiven Stimmung der Vorjahre ist nicht mehr viel zu spüren. Dafür sorgt auch das Wetter – so sonnig und warm war es in der Autostadt am Erie-See während der Automesse seit Jahren nicht.

"Ich bin mit der Messe sehr zufrieden", sagt Bill Perkins, Chairman der North American International Auto Show (NAIAS), strahlend. "Wir haben so viele neue Autos und Weltpremieren wie seit Jahren nicht. Die lokale Industrie hat an Selbstvertrauen gewonnen. Das spürt jeder Besucher hier." Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren noch war erst die Detroiter Autoshow und dann der Automobilstandort Detroit totgesagt worden.

Dieses Jahr zeigen hingegen mehr als 40 Aussteller im Cobo Center von Detroit ebenso viele Weltpremieren. Es sind vor allem die deutschen Hersteller, die mit neuen Modellen gerade auf dem US-Markt in die Offensive gehen. Doch auch die amerikanische Autoindustrie scheint sich trotz aller Probleme der US-Wirtschaft langsam zu berappeln. Zwar zeigen die "Big Three" – Ford , General Motors und Chrysler – in Detroit nicht allzu viele, aber hochkarätige Neuheiten.

Hang zur Kompaktklasse

Ein Trend zum echten Kleinwagen ist dabei nicht erkennbar. Für amerikanische Verhältnisse sind aber manche neuen Modelle von US-Herstellern, die in Detroit zu sehen sind, recht klein. Der Marktanteil von Fahrzeugen unterhalb der Kompaktklasse liegt aktuell bei 15 Prozent. In den nächsten Jahren sollen es bis zu 25 Prozent werden, wie aktuell bereits im Nachbarland Kanada . Doch auch wenn man sich vom alten Motto "Bigger is better" ein wenig abgewandt zu haben scheint: Allzu klein soll es auch nicht werden. Limousinen stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt, bis hinunter ins Kompaktsegment.

Ein Beispiel dafür ist der neue Dart der Chrysler-Marke Dodge. Der Kompaktwagen nutzt – da Chrysler nun zu Fiat gehört – die Plattform des Alfa Romeo Giulietta, fällt allerdings etwas länger und breiter aus als das italienische Basismodell. Auch sein Vierzylinder-Turbomotor kommt aus dem Hause Fiat. Dass der Dart auch nach Europa kommt, etwa als neues Fiat-Modell wie beim vom Dodge Journey abgeleiteten Freemont, verneinen die Italiener allerdings vehement.

Bei Ford dreht sich auf der Messe alles um den neuen Fusion. Die 4,87 Meter lange Mittelklasse-Limousine soll 2013 mit wenigen Änderungen unter dem Namen Mondeo nach Deutschland kommen. Er ist so groß wie eine Mercedes E-Klasse, der aktuelle Mondeo ist fast zehn Zentimeter kürzer.

General Motors präsentiert derweil Studien, die ganz auf jene 80 Millionen jungen Amerikaner kurz vor ihrem 30. Lebensjahr zugeschnitten sind, etwa das Viersitzer-Coupé Code 130R von Chevrolet. Die GM-Edelmarke Cadillac zeigt einen nach US-Maßstab kompakten und vergleichsweise leichten Viertürer namens ATS, der von einem Turbobenziner mit Direktaufladung und 273 PS Leistung angetrieben wird. Das Modell tritt gegen europäische Wettbewerber wie BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse an. Zuletzt versuchte sich Cadillac in den achtziger Jahren an einem kleinen Luxuswagen: Der Cimarron gilt aber als großer Fehlschlag. Mit dem ATS dürfte das aber anders werden.