Es ist ein kleines Gremium, das in Brüssel darüber entscheidet, wie viele Abgase in die Umwelt ausgestoßen werden. Sein Name: Technical Committee for Motor Vehicles (TCMV). Die Fachleute haben nun festgelegt, wie viele gesundheitsschädliche Partikel die Automodelle mit Benzindirekteinspritzer künftig in die Umwelt blasen dürfen – nämlich rund zehnmal mehr als vergleichbare Dieselmodelle .

Ein Grenzwert, den man sich sparen könne, findet Reinhard Kolke. Glaubt man dem Leiter der Abteilung Test und Technik am ADAC Technikzentrum in Landsberg , unterschreiten schon heute die meisten Modelle diesen Grenzwert. Die Regeln wurden also schlicht der Realität angepasst, statt ambitioniert strengere Grenzen zu ziehen.

Bis vor wenigen Jahren waren Feinstpartikel nur ein Problem von Dieselmotoren. Direkteinspritzer, von Fiat vor mehr als 20 Jahren eingeführt und vom Volkswagen-Konzern unter dem Kürzel TDI zum Inbegriff des modernen Diesels gemacht, arbeiten mit extrem hohem Einspritzdruck. Der Verbrauch sinkt und damit die CO 2 -Emissionen . Die Feinstaubemissionen werden mit Rußfiltern reduziert, die seit wenigen Jahren serienmäßig verbaut werden.

Eine ähnliche Entwicklung ist jetzt beim Benzinmotor absehbar: Die Direkteinspritzung wird langsam zur Selbstverständlichkeit. Den meisten Autoherstellern ist das nicht mal eine eigene Typenbezeichnung wert. Die neue Technik wird einfach eingebaut, wie beim Diesel sinken beim Benzindirekteinspritzer der Verbrauch und die Emissionen. Feinstpartikel entstehen jedoch auch hier. Diese unterscheiden sich allerdings vom Diesel: Sie sind noch kleiner, was sie zwar in der Summe leichter, deshalb aber nicht weniger gesundheitsschädlich macht.

Bessere Abgase oft kostenfrei

So vollzieht sich ein schlechter Tausch: Zwar schonen Benzindirekteinspritzer das Klima, weil sie weniger verbrauchen. Der Mensch aber ist zusätzlichen Emissionen ausgesetzt. Das Fazit von Erich Wichmann, Professor am Helmholtz Zentrum in München , ist eindeutig: Wer einer hohen Partikelbelastung ausgesetzt ist, trägt ein erhöhtes Risiko, vorzeitig zu sterben.

Dabei geht es nicht nur um Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Lungenkrebs. Auch einen deutlichen Anstieg der Herzinfarkte beobachtet der Mediziner. Wichmann forderte darum zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bereits im September, dass für Benzindirekteinspritzer die gleichen Grenzwerte gelten müssten wie für Diesel. In keineswegs selbstverständlichem Gleichklang mit den Umweltverbänden trat auch der ADAC für gleiche Grenzwerte bei Benzinern und Dieseln ein. Das Brüsseler Grenzwerte-Komitee folgte ihnen nicht.