"Bomb release" nennt Morgan den Starter im neuen 3 Wheeler, und tatsächlich löst der Druck auf den Knopf im Armaturenbrett eine Serie von Explosionen aus: Jede Zündung des zwei Liter großen V2-Motors, der unverkleidet und Luft-Öl-gekühlt an der Fahrzeugfront thront, ist unüberhörbar. Mitzählen ist kein Problem. Und wer das Gaspedal auch nur antippt, erzeugt durch die beiden außen an der Karosserie geführten Auspuffrohre einen tiefen, lauten Klang. Fahren im Morgan 3 Wheeler, das ist Fahren ohne Filter.

Dazu gehört, dass es im 3 Wheeler kein Dach, keine Heizung und nur die Andeutung von zwei winzigen Windschutzscheiben gibt. Die Naturkräfte wirken direkt auf den Fahrer. Doch das war selbst bei vier Grad plus in Hamburg kein Problem. Man sitzt tief ins enge Cockpit eingefädelt, der linke Arm hängt wegen der Enge – die Innenbreite für zwei Personen beträgt auf Schulterhöhe 90 Zentimeter – nach außen und wird dort vom Abgasstrang gewärmt. Den Rest besorgen die Sonne, wetterfeste Kleidung und eine Brille.

Zwar muss der Fahrer nicht nur auf Dach, Türen und Heizung, sondern auch auf Servolenkung, Bremskraftverstärker und sämtliche elektronischen Sicherheitseinrichtungen verzichten. Das Klischee vom britischen Roadster, der nur von harten Männern gebändigt werden kann, entpuppt sich bei der Ausfahrt aber als Märchen – alles funktioniert mit spielerischer Leichtigkeit. Die extrem direkte Lenkung lässt sich mit geringer Kraft präzise bewegen, das aus dem Mazda MX-5 stammende Getriebe hat wunderbar kurze Schaltwege, und die Bremse verzögert auch ohne dass der Fahrer Fußballerwaden haben muss, unterstützt von der starken Motorbremswirkung des Zweizylinders.

Was ist der 3 Wheeler überhaupt, der vorne zwei Räder hat und hinten eins? Ganz klar: Ein Auto. Man sitzt wie in einem Auto, schnallt sich an, und anders als auf einem Motorrad gibt es nicht mal die Andeutung einer Seitenneigung in Kurven. Der 3 Wheeler ist vorn 1,73 Meter breit, und er hat einen langen Radstand von 2,39 Metern bei 3,22 Metern Gesamtlänge. Zudem ist der Wagen nur 1,01 Meter hoch, was einen niedrigen Schwerpunkt erzeugt. All diese Eigenschaften kommen der Fahrdynamik zugute. Der 3 Wheeler liegt satt auf der Straße, und das geringe Gewicht von gut 500 Kilogramm macht es dem 85 kW (115 PS) starken Motor leicht.

Für Schüchterne ungeeignet

Wer will, kann den 3 Wheeler rabiat fahren. Dann hämmert der Motor zornig, und unter stark anschwellenden Getriebegeräuschen geht es in unter fünf Sekunden auf 100 km/h. Auf die Höchstgeschwindigkeit (etwa 185 km/h) verzichtet man wegen des akustischen Getöses instinktiv und freiwillig. Spaß macht der Wagen ohnehin weniger beim puren Gasgeben als bei kurzen Zwischenspurts und beim Kurvenfahren. Das vierte Rad vermisst man angesichts der guten Traktion kaum, es erscheint als weitgehend unsinniger Luxus. Leichte Drifts bei niedrigen Geschwindigkeiten sind selbst für den Anfänger kein Problem und ließen sich am Testtag gut provozieren, weil die Fahrbahn teilweise noch feucht und schmutzig war.

Eine Freude ist, dass der Morgan in Kleinserie handgefertigt ist. Aluminiumbleche sind auf den traditionellen Holzrahmen genietet, die Nähte der Ledersitze sind sauber abgesteppt und die Speichen der Räder haben tragende statt zierende Funktion. Der Preis von rund 40.000 Euro ist dafür mehr als angemessen. Spaltmaßfetischisten mögen Schwächen entdecken, aber solche Leute sind beim 3 Wheeler einfach an der falschen Adresse.

Allzu schüchtern sollte man auch nicht sein. Es gibt kaum ein Gefährt, das so auffällig ist wie der Morgan 3 Wheeler. Die prinzipiell zurückhaltenden Hamburger haben jeden Halt genutzt, um höflich und freundlich, aber mit unverhohlener Neugier Fragen zu stellen. An Ampeln haften die Blicke auf dem 3 Wheeler. Passanten und Mitfahrer anderer Autos holen ihre Smartphones heraus, um Fotos zu machen.

Am Ende der Ausfahrt fällt der Ausstieg aus dem 3 Wheeler wegen des abnehmbaren Lenkrads sachlich leicht, emotional aber schwer. Die Heimfahrt im modernen Kleinwagen fühlt sich steril und synthetisch an, wie in Watte gepackt und von langweiliger Perfektion geprägt. Für den Alltag passt das. Für den besonderen Tag ist der 3 Wheeler aber das weitaus größere Vergnügen. Beim Händler Morgan Park in Hamburg haben schon etliche Kunden die Bestellung unterschrieben. Sie werden nicht enttäuscht werden.