Elektroideen allein bringen im Tagesgeschäft der Gegenwart nichts. Das hat Renault nun offenbar erkannt. In den vergangenen Jahren hatte sich der französische Autohersteller in erster Linie mit einer vermeintlichen Abkehr vom Verbrennungsmotor im Gespräch gehalten. Doch mit – teils allzu illusorischen – E-Konzepten geht es kaum vorwärts: Die Einsicht, dass die Marke mit dem markanten Rhombus-Logo mehr Konturschärfe braucht, ist bei Renault nun angekommen.

Mit einem unverwechselbaren Design will der Hersteller die Marke neu beleben. Viel Arbeit für Designchef Laurens van den Acker und sein Team. Der Mittvierziger wurde vor mehr als zwei Jahren von Mazda geholt. Dort hatte er, nach Stationen bei Audi und Ford , durch seine Nagare-Studien mit fließenden Naturformen Aufsehen erregt.

Renault hingegen steckte nach mehr als zwei Jahrzehnten unter Chefdesigner Patrick Le Quément in der Sackgasse. Modelle wie Vel Satis und Avantime floppten vor allem wegen ihres allzu extravaganten und polarisierenden Aussehens. Das kann sich ein Massenhersteller heute selbst bei einem Spartenfahrzeug nicht mehr erlauben.

Van den Acker traf im Mai 2009 bei Renault auf ein 500-Personen-Designteam. Daher dauerte es seine Zeit, um die einzelnen Arbeitsbereiche auf Linie zu bringen. Im Herbst dieses Jahres bringt der Niederländer sein erstes Serienmodell als Renault-Chefdesigner auf den Pariser Autosalon , den neuen Clio. Mit ihm will Renault den Neuanfang einläuten, unter dem Motto "Autos zum Leben" – wie einst in den sechziger und siebziger Jahren.

Der Rhombus dominiert wieder

Patrick Le Quément konnte sich für große Logos und wiedererkennbare Designdetails kaum begeistern. Jedes seiner Modelle sollte einzigartig sein. Was den Designer erfreut, ist indes wenig erquicklich für den Verkauf. Das soll sich vom Herbst an ändern. Schon bei Konzeptstudien wie Dezir und Captur arbeiteten Laurens van den Acker und sein Team an einem Markengesicht, das sich künftig über alle Modellreihen ziehen und unverwechselbar sein soll.

"Das einprägsame Logo soll wieder in den Vordergrund der Marke Renault rücken", sagt van den Acker. So dominiert in Zukunft der Renault-Rhombus das Zentrum der Fahrzeugfront. Auffallend ist auch die dunkel gehaltene Kühlermaske, die die vorderen Scheinwerfer-Einheiten über das große Logo hinweg miteinander verbindet. Schon bei der dritten Generation des Twingo, die Mitte Januar in den Handel kommt, ist die neue Front zu sehen.

Renault will seine Marke in den nächsten Jahren als pointierter und charakterstärker als bisher darstellen. Die Zeiten, in denen vom koreanischen Kooperationspartner Samsung lieblos Modelle wie der SUV Koleos oder die Pseudo-Luxuslimousine Latitude übernommen wurden, sollen vorbei sein. Wie man es nicht macht, zeigt auch der Espace. Der Familienvan war einst zusammen mit dem amerikanischen Chrysler Voyager der Begründer des Segments. Im Lauf der Zeit fuhr nahezu die gesamte Konkurrenz an dem Renault-Modell vorbei.

Offen ist dagegen, ob Renault auch seine sportliche Marke Alpine wiederbelebt. Das Team von Axel Breun, bei Renault verantwortlich für die Konzeptfahrzeuge, hat zwar zahlreiche Modelle möglicher Alpine-Fahrzeuge gezeichnet – doch gekommen ist nichts. Kaum jemand sieht Renault als Hersteller auch sportlicher Wagen. Daran ändern auch sehenswerte Studien wie Dezir oder Captur wenig. Auf Alpine angesprochen, schüttelt Breun weiterhin den Kopf. "Wir denken über vieles nach, aber entschieden ist nichts."