Gern hätte man gewusst, was unter der ozeanblauen Haube des batteriebetriebenen Autos Denza steckt. Ein Elektromotor natürlich – aber mit welcher Stärke? Wie viel Strom verbraucht er auf 100 Kilometer? Und wie groß ist die Batterie? Doch Daimler schweigt. Der Stuttgarter Autokonzern hat den Denza gemeinsam mit seinem chinesischen Partner BYD – das Kürzel steht für Build Your Dreams – entwickelt. Oder genauer gesagt: die neue Automarke Denza geschaffen. Jetzt präsentiert sich Denza erstmals der Weltöffentlichkeit.

Doch viel erfährt man nicht über den schnittigen Viertürer, der derzeit auf der Pekinger Automesse vorgestellt wird. Noch ist er nur eine Studie, doch schon im nächsten Jahr soll die Produktion im südchinesischen Shenzhen beginnen. Die ersten Prototypen sind laut Daimler schon auf der Straße. Die Angaben zum Fahrzeug sind jedoch äußerst dürftig. Eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometern soll es haben, an der normalen Steckdose soll es in fünf Stunden aufgeladen werden können. Die Batterie ist im Unterboden verbaut.

Dass sich Daimler noch bedeckt hält, dürfte auch am abflauenden Hype um das Elektroauto in China liegen. Auch dort macht sich nach der anfänglichen Euphorie Ernüchterung breit. "Wir sollten nicht so hohe Erwartungen haben", sagte der Vizegeneralsekretär der chinesischen Vereinigung für Personenwagen, Cui Dongshu, auf der Messe in Peking . Auch BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson räumte ein: "Der Markt für Elektroautos hat sich langsamer entwickelt als noch vor ein paar Jahren erwartet."

Chinas Strom stammt in erster Linie aus Kohle

Rund 6.900 Elektroautos wurden laut einer neuen Studie von McKinsey seit 2009 in China verkauft. Damit ist die chinesische Regierung weit entfernt von ihrem Ziel: eine halbe Million Elektroautos bis 2015. "Der Hype flacht deutlich ab", stellt auch der deutsche Automobil-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen fest. Er glaubt nicht, dass der Denza die Elektromobilität aus technischer Sicht entscheidend voranbringt.

Der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Dieter Zetsche , bekennt ebenfalls, dass es Hindernisse in der Entwicklung gebe. In Zukunft aber komme niemand am Elektroauto vorbei, sagt Zetsche, überzeugt vom Denza. Gewiss hat der Daimler-Chef recht, wenn er auf knappe Ölreserven und Emissionsverringerung verweist und anfügt, die Menschen würden in 20 Jahren "ohnehin keine andere Wahl haben".

Doch das Ziel der Emissionsverringerung spricht gerade in China derzeit nicht dafür, ein rein elektrisch betriebenes Auto anzuschaffen. Zwar helfen Elektroautos dabei, die Luft in den Städten, wo sie unterwegs sind, zu verbessern, weil sie keine Abgase absondern. Doch die Emissionen entstehen an anderer Stelle: Der größte Teil des chinesischen Stroms stammt aus Kohlekraftwerken, der Anteil lag 2010 bei rund 73 Prozent.