Engstirniges Denken darf man der Stuttgarter Südwestbank nicht vorwerfen, wenn sie in ihren selbst kreierten Oldtimerindex nur Autos aus Baden-Württemberg , Bayern und dem südlichen Hessen aufnimmt. Wobei selbst das südliche Hessen – das in diesem Fall für Opel steht – unter den sonst nur edlen Karossen von Mercedes , Porsche und BMW schon abfällt. Der Markt für historische deutsche Autos mit entsprechendem Wertsteigerungspotenzial ist damit abgedeckt, wenn man mal einen frühen VW Käfer oder Bulli sowie einen Ford Capri der ersten Generation außer Acht lässt.

Zum dritten Mal haben die Stuttgarter die Glanzstücke süddeutschen Autobaus unter die Lupe genommen. Und stellten dabei fest, was sich ohnehin jeder, der sich für den Stil, die Optik und Ausstrahlung von Oldtimern begeistern kann, gedacht hat: Ihr Wert steigt über die Jahre mehr als der von Aktien und Anleihen. Und vor allem: Es geht immer nur nach oben.

Das ist an dem speziellen Aktienbarometer OTX ablesbar. Weil den Südwestbankern der Begriff Oldtimerindex zu sperrig war und Indizes nun mal generell aus drei Buchstaben bestehen, wurde der Index OTX getauft. Um sage und schreibe 25 Prozent ist der OTX im vergangenen Jahr gestiegen, seit 2005 waren es gar 115 Prozent.

Solch eine Zahl lässt Anleger hellhörig werden und Banker ein Geschäft wittern. "In Zeiten volatiler Märkte erweisen sich Oldtimer langfristig als werthaltige Anlagealternative", weiß Manfred Mühlheim, Leiter des Bereichs Asset Management bei der Südwestbank. Schon seit Jahren wächst die Ausstellungsfläche glänzender Boliden bei Anlegermessen wie der Invest in Stuttgart . Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit.

170 Prozent Wertanstieg für zwei Mercedes-Modelle

Weit mehr als der Index, nämlich knapp 170 Prozent haben nach den Berechnungen der Südwestbank die Mercedes-Modelle W 108 und W 109 in den vergangenen sieben Jahren an Wert gewonnen. Wer sich nicht erinnern kann: Das waren die Vorgänger der luxuriösen S-Klasse, die von 1965 bis 1972 gebaut wurden. 1.720 Fahrzeuge sind in Deutschland noch zugelassen. 22.900 Euro muss man im Schnitt momentan dafür hinlegen.

Billiger bekommt man heute noch die erste S-Klasse, die von 1972 bis 1980 gebaut wurde und auf die spröde Typen-Bezeichnung W 116 hört. 14.433 Euro muss man im Schnitt auf den Tresen legen. Aber auch das sind 147 Prozent mehr als vor sieben Jahren.

Nun muss es nicht immer gleich die Oberklasse sein, um hohe Renditen zu erzielen. Paradebeispiel ist der erste Typ des BMW-Dreiers. Dieses Massenmodell wurde von 1975 bis 1983 gebaut, trotzdem sind nur noch 2.607 Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Die Enge des Marktes treibt den Preis. Mehr als 7.500 Euro und damit 163 Prozent mehr als im Jahr 2005 müssen heute bezahlt werden. Für ein Fahrzeug, das in den achtziger Jahren besonders vor Dorfdiscos für Aufsehen sorgte, ist das eine erstaunliche Rendite.

Natürlich finden sich viele Klassiker auf der Liste der Top 20. Der 911er Porsche darf nicht fehlen, auch der 356 B aus demselben Hause nicht. Ganz am Ende im Index rangieren erwartungsgemäß die Südhessen aus Rüsselsheim . Aber selbst mit einem Kadett C in GT/E-Ausführung oder dem legendären Opel GT ließen sich seit 2005 Renditen von über 40 Prozent erzielen. Aktionäre können da schwer mithalten.

Erschienen im Handelsblatt