Bei Königstein trampeln drei Elefanten durch den Taunus. Giraffen recken die Hälse, Erdmännchen schauen putzig. Für Familien aus dem nahen Frankfurt ist der Opel-Zoo ein beliebtes Ausflugsziel. Seine Existenz verdankt er Georg von Opel, der am 18. Mai 100 Jahre alt würde, und genau dem Geschäft, das nach Meinung vieler Auto-Experten den Niedergang der Firma Opel ausgelöst hat: dem Verkauf an General Motors.

Opel fängt kleiner an als andere deutsche Auto-Dynastien – kleiner als Carl Benz, Gottlieb Daimler oder Audi-Ahn August Horch, die ihre Firmen von Anfang an der Entwicklung von Motoren und Fahrzeugen widmen. Georg von Opels Großvater Adam, geboren am 9. Mai 1837 als Sohn eines Schlossers, arbeitet als Handwerkerbursche auf Wanderschaft in Pariser Nähmaschinenfabriken und baut ab 1862 in Rüsselsheim bei Frankfurt seine eigenen Nähmaschinen.

1868 heiratet Adam Opel die Fabrikantentochter Sophie Marie Scheller. Mit Kapital aus ihrer Familie im Rücken kann Opel expandieren. 1885 produzieren 300 Mitarbeiter 18.000 Nähmaschinen. Im Jahr darauf ermuntern seine fünf Söhne Opel, die Produktpalette um ein damals innovatives Verkehrsmittel zu erweitern: das Fahrrad. Er selbst sei beim ersten Versuch mit dem neumodischen Gefährt in den Graben gefahren, heißt es. Oder ist die von der Firma Opel kolportierte Anekdote subtile Automobilisten-Propaganda?

Größter Autohersteller Deutschlands in den 1920ern 

Vom gerade erfundenen Auto hält Opel wenig: "Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen", soll er noch kurz vor seinem frühen Tod – er stirbt 1895 an Typhus – gesagt haben. Witwe Sophie führt die Firma weiter und lässt sich 1898 von den technikbegeisterten Söhnen überreden, die kleine Dessauer Automobilfirma von Friedrich Lutzmann zu kaufen. Der erste Wagen mit Opel-Schriftzug ist 1904 der "Doktorwagen". Seinen Namen bekommt er, weil er so erschwinglich ist, dass Ärzte ihn sich statt der Kutschen für Hausbesuche leisten können.

Dank früh eingeführter Fließbandtechnik, einer breiten Modellpalette und Angeboten auch für den schmalen Geldbeutel – die "Laubfrosch" genannte Kopie des Citroën 5CV ist ein Renner – wird Opel zum größten deutschen Automobilhersteller. Zeitweise stammt fast die Hälfte der im Reich produzierten Wagen aus Rüsselsheim. Zugleich ist Opel einer der größten Fahrradhersteller der Welt.

Doch die Wirtschaftskrise droht. Die Opel-Brüder verkaufen 1928 erst 80 Prozent, in den folgenden Jahren auch den Rest ihrer Anteile an den US-Konzern General Motors – für damals gigantische 154 Millionen Reichsmark. Opel mag heute mit dem Slogan für sich werben, "wir leben Autos" – für die Familie Opel selbst ist die Autoproduktion wenig mehr als eine Episode, auch wenn Familienmitglieder im Aufsichtsrat und zunächst auch im Vorstand bleiben.