Anfang der sechziger Jahre ist ein cw-Wert von 0,34 eine Sensation in der Autobranche. Der geringe Luftwiderstandskoeffizient der Alfa Romeo Giulia veranlasst den Hersteller, sein neues Modell mit dem Slogan "Vom Wind modelliert" zu bewerben. Dabei mutet die Karosserie aus der Mailänder Autoschmiede auf den ersten Blick gar nicht besonders windschnittig an. Aber Alfas Aerodynamiker haben lange an der Form der Giulia – im Italienischen haben Autos weibliches Geschlecht – getüftelt und sie im Windkanal optimiert.

Mit einer breiten Sicke bildet der Kofferraum des Wagens ein sogenanntes Kamm-Heck, benannt nach dem Kraftfahrzeugforscher und Aerodynamik-Pionier Wunibald Kamm , der in den dreißiger und vierziger Jahren Versuchswagen für BMW entwickelt hatte. Auf diese Weise können die Ingenieure den cw-Wert drücken. Eine Karriere auf Rennstrecken ist programmiert. Daher hat Alfa Romeo nicht ohne Grund die Fachpresse in den Park von Monza geladen, um die Giulia 1600 TI mit 92 PS zu präsentieren: Dort wird seit Langem der Große Preis von Italien ausgetragen.

Auch das Triebwerk unter Giulias Haube hat seinen Ursprung im Motorsport. Block und Zylinderkopf sind aus Aluminium gegossen. Zwei von einer Doppelkette angetriebene Nockenwellen steuern die Ventile, ein Doppelvergaser sorgt für ein leicht röchelndes Ansauggeräusch. Das Fahrwerk entspricht weitgehend dem der Vorgängerin Alfa Romeo Giulietta, doch etliche Details wurden verbessert. So kommen an der Vorderachse zusätzliche obere Querlenker zum Einsatz.

501 Sportwagen

Doch die Giulia 1600 TI ist bei Weitem nicht nur ein Sportwagen, sondern auch eine Mittelklasse-Limousine. Dank vier Türen, zwei durchgehenden Sitzbänken und Platz für sechs Passagiere gibt sich der Wagen auch recht familientauglich. Dennoch dauert es nicht lange, da taucht die neue Alfa-Schönheit auf den ersten Rennen auf – allerdings in einer besonderen Sportversion 1600 TI Super, die Alfa Romeo ein Jahr nach dem Marktstart der Giulia nachschiebt.

Die Motorleistung der Renn-Giulia ist auf 113 PS hochgetrieben, zwei getrennte Schalensitze ersetzen die vordere Sitzbank. Die Felgen sind aus einer extraleichten Magnesium-Aluminiumlegierung, die aus dem Flugzeugbau stammt. Insgesamt ist die Sport-Ausfertigung 100 Kilogramm leichter als die Zivilversion. Und kostet 60 Prozent mehr. Die Giulia 1600 TI Super wird in überschaubarer Stückzahl produziert: Exakt 501 Exemplare laufen vom Montageband.

1964 ergänzt Alfa Romeo die Baureihe um die Giulia 1300, die einen etwas kleineren und schwächeren Motor hat. Mit seinen 78 PS erweist er sich aber als etwas zu lahm. Schon ein Jahr später erhält die 1300er-Version ein Aggregat mit 82 PS, und 1970 liefert ein 88 PS starkes Triebwerk in der Giulia 1300 Super überzeugende Antriebskraft. Von 1976 an bieten die Italiener Giulia erstmals auch mit Diesel-Triebwerk an.