Sex sells. Don Draper weiß das nur zu gut – und nun geht es für den kreativen Kopf der renommierten New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper Draper Pryce (SCDP) um alles. Draper präsentiert den Managern des britischen Autoherstellers Jaguar den Entwurf einer neuen Kampagne. Kann er Jaguar als Kunden für seine Agentur gewinnen, fließen die Millionen. Also legt er sich mächtig ins Zeug, spricht von Verlangen, Emotionen, Erotik, Schönheit. Schließlich sieht kaum ein Auto so sexy aus wie der Jaguar E-Type.

Zum Schluss enthüllt Draper seinen Slogan, und der kommt gut bei den Jaguar-Leuten an: "Endlich etwas Schönes, das Sie wirklich besitzen können". Die unmoralische Kehrseite der Medaille: Kurz vor dem entscheidenden Meeting schlief eine Angestellte der Werbeagentur mit einem der Jaguar-Manager, damit SCDP den Auftrag wirklich bekommt. Und einer seiner Kollegen verlangte auch noch, dass man ihn in ein Bordell einlädt.

In den USA wird über diesen Skandal gerade in Medien und in Internetforen heiß diskutiert – auch wenn er nur fiktiv ist. Denn die Sex-und-Intrigen-Story rund um die rassigen britischen Sportwagen ist lediglich die freie Erfindung von Drehbuchautoren der TV-Serie Mad Men , genau wie Don Draper, der von Jon Hamm gespielt wird. Die Serie mit Retro-Charme ist in den USA ein großer Erfolg und wird auch in Deutschland ausgestrahlt.

Mad Men beschreibt das zynische Milieu der New Yorker Werbebranche in den 1960er Jahren. Raffinierte Stories, dezente Erotik und reichlich Intrigen paaren sich mit dem detailgetreu eingefangenen Zeitkolorit der Sixties. Dazu gehören natürlich auch dicke Luxusschlitten wie sie das Amerika dieser Zeit prägten. Nun hat es Jaguar erwischt – offenbar ohne dass der Hersteller dabei eingebunden wurde.

Unmut und insgeheime Freude

Zuerst waren die Briten durchaus angetan. Sie fütterten ihre eigenen Social-Media-Kanäle mit Hinweisen auf die prominente Rolle, die der Jaguar E-Type in der aktuellen Staffel der Serie spielt, und zeigten in einer Bildergalerie echte Werbeanzeigen für den Sportwagen aus den sechziger Jahren. Doch der Schuss ging nach hinten los, als die Handlung der Fernsehserie eine höchst unmoralische Wende nahm und die fiktiven Jaguar-Manager als sexgierige Schlitzohren vorführte.

Zu allem Überfluss nimmt die Serie auch noch das Image der britischen Limousinen als kapriziöse Sonderlinge mit schwieriger Technik aufs Korn. In einer Episode von Mad Men versucht einer der Protagonisten, sich in einem Jaguar das Leben zu nehmen, und will dafür mit einem Gartenschlauch Abgase ins Cockpit einleiten. Doch der Mann muss seinen Suizid verschieben: Der Jaguar will einfach nicht starten.

"Wir waren noch nie so froh, dass eines unserer Autos nicht anspringt", schrieben die echten Marketing-Manager von Jaguar North America, Stuart Schorr und David Pryor, dazu kürzlich in einem Beitrag für den populären US-Autoblog Jalopnik.com . Bissig fügten sie hinzu: "Vielleicht wusste der Typ einfach nicht, wie man den Choke bedient."

Auch wenn die Werbestrategen des Autoherstellers auf einige Mad Men -Folgen ziemlich zerknirscht reagierten und über Twitter ihren Unmut äußerten, freuen sie sich letztlich doch über die kostenlose PR, wie der Twitter-Eintrag zum Ende der aktuellen, fünften Serienstaffel zeigt. Die Schlussfolge wurde am vergangenen Sonntag auf AMC ausgestrahlt. Don Drapers Werbeslogan bekam sogar das Lob von Pryor und Schorr. "Wir mögen den Slogan, weil er den Kern der Sache trifft – ein Jaguar ist mehr als eine Maschine, er ist emotional und er lebt", kommentierten die beiden wirklichen Jaguar-Leute. Gespannt dürften die Manager nun auf die nächste Staffel warten.

Dass der britischen Marke und überhaupt europäischen Autofabrikaten in den USA ein wenig der Ruf des Verruchten anhängt, ist übrigens keine Leistung der Fernsehschaffenden von heute. Schon in der Kult-Krimiserie Columbo , deren Episoden zum großen Teil in den siebziger Jahren entstanden, bevorzugten die durchtriebenen Mörder aus der High Society auffallend häufig zwei Automarken: Mercedes und Jaguar.