Flugzeug-Ingenieure und Vorstände der Jethersteller interessieren sich neuerdings verstärkt für Eulen. Das Interesse an Kauz und Uhu rührt aber nicht daher, dass sie überwiegend nachtaktiv sind. Die fliegenden Fleischfresser sollen helfen, eines der drängendsten Probleme der Branche zu lösen: Flugzeuge leiser zu machen. Schließlich segeln die gefiederten Räuber dank speziell gezackter Flügel mit einem weichen Flaum an der Unterseite so leise, dass Mäuse, Schlangen und Fische ihr Verhängnis nicht kommen hören.

Diese Fähigkeit zur unmerklichen Annäherung braucht die Flugbranche dringender denn je. Zwar trieb das Jetdröhnen Flughafenanwohner schon immer auf die Barrikaden und sorgte dafür, dass rund 530 Flughäfen weltweit nachts den Flugverkehr unterbrechen müssen – gut doppelt so viel wie noch Ende der neunziger Jahre.

Doch in den vergangenen Monaten ist leiseres Fliegen zur Überlebensfrage geworden: Am Flughafen Frankfurt protestieren Anwohner gegen die neue Landebahn; in Berlin drohen 600 Millionen Euro Mehrkosten für zusätzlichen Lärmschutz den Neubau des Airports endgültig unbezahlbar zu machen; und in München stoppte die Furcht vor mehr Getöse den Bau der dritten Startbahn ebenso wie in London. In Zürich , Tokio und Los Angeles kämpfen Flughäfen mit ähnlichen Problemen.

Lärmreduzierung hat oberste Priorität

"Lärm ist von den Dingen, die Menschen am Fliegen stören, eindeutig an die erste Stelle gerückt, noch vor dem Abgasproblem", sagt Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das wird in den nächsten Jahren – daran zweifelt kein Experte – eine Flut von Innovationen auslösen. Hersteller von Flugzeugen oder Triebwerken, Fluglinien oder Flughäfen arbeiten intensiv wie nie daran, Fluglärm zu reduzieren. "Wir kämpfen um jedes Dezibel", sagt Mike Bair, Programmchef des 737 Max genannten neuen Mittelstreckenjets von Boeing .

Die Kette der Ideen ist endlos. Schnell umzusetzen sind Dinge wie Flugverfahren, die das Jetgepolter weitgehend auf den Flughafen beschränken. Dazu kommen gegen Mitte des Jahrzehnts Triebwerke, die im Vergleich zu heute nicht einmal halb so laut sind, und ab 2020 ein grundrenoviertes Flugzeugdesign. Es reicht von einer windschnittigeren Form von Rumpf und Flügel im Eulenstil bis hin zu einer schlüpfrigeren Außenhülle, ähnlich der Haifischhaut. Zudem macht man sich darüber Gedanken, den Maschinenradau durch gezielten Gegenlärm quasi auszulöschen.

Der Kampf gegen den Krach muss an vielen Fronten gleichzeitig geführt werden. "Weil Lärm an praktisch allen Teilen des Flugzeugs entsteht, ist eine Maschine nur so leise wie ihr lautester Teil", erklärt Rainer von Wrede, Leiter Umweltforschung von Airbus . "Es ist eine echte Sisyphusarbeit."

Dabei verfolgen die Flugzeughersteller ehrgeizige Ziele: "In zehn Jahren sind neue Flugzeuge nicht mal halb so laut wie heutige Modelle", prophezeit Paul Steele, Chefökologe der Iata, dem Dachverband aller Fluglinien. "Damit werden Flugzeuge außerhalb der Airports praktisch unhörbar."