2016 läuft im Opel-Werk Bochum die Produktion der derzeitigen Zafira-Generation aus. Welches Modell nach dem Familien-Van an die Fabrik vergeben wird, ist offen – möglicherweise keines mehr. Die Mitarbeiter fürchten die Schließung des Werks . Und mit ihnen ganz Bochum , obwohl die Stadt direkte Einnahmen durch Opel seit Langem nicht hat, denn die Verlust schreibende Tochter von General Motors zahlt keine Gewerbesteuern.

Ein Aus des Opel-Standorts wäre für Bochum und die Region aber zusätzlich ein herber Schlag. Neben den mehr als 3.000 Arbeitsplätzen bei Opel könnten dreißig- bis vierzigtausend Stellen in der Zulieferbranche betroffen sein, wobei ein Teil der Zulieferer ja nicht nur Opel als Kunde hat, sondern Hersteller weltweit beliefert.

Doch trotz aller Härte könnte Bochum die Werksschließung heute besser verkraften als noch vor zehn Jahren, sagt eine Sprecherin der Stadt. Die Wirtschaftsförderung von Stadt und Bundesland engagiert sich verstärkt beim Ausbau anderer Sektoren. Das Projekt Gesundheitscampus NRW , ein Hochleistungsstandort für medizinische Forschung und Entwicklung, sei ein Meilenstein in diese Richtung, sagt die Sprecherin. Im Medizinpark Ruhr entstehen gerade neue Bürogebäude, im Biomedizinzentrum forschen Unternehmen an neuen Medikamenten.

Detroit versucht die Abkehr von der Monokultur

Damit geht Bochum einen Weg, den auch Detroit einzuschlagen versucht. Die Stadt am Eriesee war einst Symbol des amerikanischen Fortschritts, die stolze Metropole der US-Autoindustrie. Arbeitskräfte strömten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Hunderttausenden nach Detroit, doch mit Automatisierungsprozessen und Absatzkrisen der Big Three – GM, Chrysler und Ford – begann der Abstieg der monostrukturell ausgerichteten Stadt. Ihre Einwohnerzahl schrumpfte seit den sechziger Jahren um die Hälfte. Tausende Häuser stehen leer und verfallen, ein Drittel des Stadtgebiets ist inzwischen unbewohnt.

Die Krise kann jedoch auch eine Chance sein, ist der Detroiter Journalist und Buchautor John Gallagher überzeugt. In seinem Buch Reimagining Detroit zeigt er Perspektiven zur Wiederbelebung Detroits auf, die den Ansätzen in Bochum ähneln. In Gallaghers Vorschlägen – von touristischen Attraktionen bis zur urbanen Agrikultur – spielt die Automobilindustrie praktisch keine Rolle mehr, vielmehr sind kreative Ideen von Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern gefordert.

Die Ansiedlung ganz neuer Wirtschaftszweige hält Gallagher für ebenso wünschenswert wie möglich. Fördermittel des Bundesstaates Michigan für die Filmindustrie hätten bereits Wirkung gezeigt, sagt er. In den vergangenen Jahren hätten sich zahlreiche Produktionsgesellschaften in Detroit niedergelassen.

Auch auf dem Gebiet der alternativen Energie tut sich laut Gallagher etwas. Einige neue Unternehmen für Akku-Technologien haben sich jüngst bei der Standortsuche für die einstige Motor Town entschieden. "Wichtig ist Diversifikation, die neue Unternehmenslandschaft muss ein breites Spektrum abdecken. Keinesfalls darf sich Detroit ein zweites Mal von einer industriellen Monostruktur abhängig machen", betonte der US-Autor kürzlich auf einer Tagung in Wolfsburg , die Wachstum und Schrumpfungsprozesse der Autostädte zum Thema hatte.