Der Betrachter stutzt, schaut noch mal hin, ein weiterer Augenblick vergeht – dann kommt die Erkenntnis. Der Hyundai Veloster ist ein kleiner Trickbetrüger: Er macht auf schnittigen Zweitürer, und erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass das Auto auch hinten eine Tür hat. Aber nur auf der rechten Seite, die sich wegen ihrer Bordsteinnähe angenehmer zum Ein- und Aussteigen eignet. Der Griff befindet sich, anders als von einer normalen Tür gewohnt, nicht in der lackierten Fläche, sondern hinten oben rechts auf der Schulter des kleinen Wagens.

Von außen wirkt der Veloster – mit 4,22 Metern Länge zwischen Kompakt- und Mittelklasse, zwischen Hyundai i30 und i40 angesiedelt – also recht eigenwillig. Aber auch sportlich. Das lässt auf ein ebensolches Innenleben hoffen. Besonders ins Auge fallen die Innenseiten der beiden vorderen Türen: Dynamischer könnte die Linienführung kaum sein.

Doch das von den Designern ausgeklügelte Muskelspiel der Wagenform raubt innen Platz und setzt den Passagieren enge Grenzen. In der zweiten Reihe, hinter den gut konturierten Vordersitzen, sollten nur Mitfahrer Platz nehmen, die deutlich unter 1,85 Metern Körperlänge messen. Das ist nicht der einzige Nachteil des von außen so potent wirkenden Auftretens. Probleme hat auch der Fahrer: Seine Sicht zu den beiden hinteren Flanken ist gleich null.

Navi mit Geographie-Schwächen

Als Frontantrieb dient im 1,3 Tonnen schweren Veloster ausschließlich ein 1.6 GDI-Motor. Was klingt wie ein drehmomentstarkes und 1,6 Liter großes Dieselaggregat entpuppt sich allerdings als Benziner mit 103 kW (140 PS) Leistung, wahlweise mit manuellem Sechsgang- oder Automatikgetriebe. Dem Wagen würde ein durchzugsstärkerer Motor besser stehen. Hyundai zeigte Anfang des Jahres einen 148 kW starken Turbomotor auf der Automesse in Detroit, doch bis heute müssen sich Veloster-Käufer mit dem 1.6-Vierzylinder begnügen.

Für die Stadt reichen 140 PS sowie 167 Newtonmeter Drehmoment natürlich vollkommen, und sicher muss ein Auto nicht schneller als 201 Kilometer pro Stunde fahren können. Aber wer so stark mit sportlichem Auftreten auf sich aufmerksam macht wie der Veloster, sollte dann auch bitte schön eine sportliche Fahrweise zeigen können. Mit den 9,7 Sekunden, die der Hyundai für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht, ist bei keinem Sportwagen-Quartett ein Stich zu machen.

Als weiterer Schwachpunkt erweist sich das manuelle Schalten. Egal in welchem Gang oder welcher Drehzahl sich das Getriebe befindet: Das Heraufschalten wird durch eine deutliche Beschleunigungspause untermalt. Bei einem Turbomotor würde hier der Begriff Turboloch fallen. Hinzukommt, dass es dem so gern als sportlich geltenden Veloster an einer passenden Soundkulisse fehlt. Hier hätte Hyundai ein wenig nachhelfen können. Der Spritverbrauch von gut sieben Litern auf 100 Kilometern wäre davon ja nicht beeinträchtigt worden.

Der Veloster ist ab 21.600 Euro erhältlich. Für 2.250 Euro Aufpreis gibt es ein Technikpaket mit Navigationsgerät. Wer sich auf dem Weg von A zu einem unbekannten B blind auf das Navi verlässt, kann aber nicht zu 100 Prozent sicher sein, dass er B zur erhofften Zeit erreicht. Nicht nur einmal bittet die Frauenstimme um ein klassisches Wendemanöver, obwohl die kleine Grafik auf dem Sieben-Zoll-Display, die Straßenführung und auch der Verstand des Fahrers für eine Geradeausfahrt sind. Aber so lange der Veloster gut aussieht, verzeihen ihm seine Kunden vielleicht auch diese Schwäche.