Autofahrer wissen, dass die Freiheit im Straßenverkehr spätestens bei der nächsten Radarfalle endet: Wer schneller als erlaubt unterwegs ist und dabei geblitzt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Selbst wer sich vor solchen Kontrollen im Navigationsgerät warnen lässt, macht sich strafbar.

Verteidiger dieser Regel argumentieren, nur mit den Blitzern könne man die Straßenverkehrsordnung (StVO) gegen zu schnelle Autofahrer durchsetzen und damit die öffentliche Sicherheit garantieren. Kontrollen sollen disziplinieren: Wer einmal geblitzt wurde, achtet – zumindest für einige Zeit – mehr auf sein Tempo und hält die Geschwindigkeitsbeschränkung ein. Dieser Logik folgt Paragraf 23 der StVO , der den Betrieb aller Geräte untersagt, welche Geschwindigkeitskontrollen anzeigen.

Nun aber wollen junge Verkehrspolitiker zumindest die Warnung vor fest installierten Radarfallen in Navigationsgeräten und Smartphone–Apps legalisieren . Sie differenzieren damit stärker zwischen dem schlichten Abkassieren und der Sorge um die Verkehrssicherheit. Der ADAC ist auch dafür, der Bundesverkehrsminister will den Vorschlag zumindest prüfen.

Recht so! Denn Blitzer ist nicht gleich Blitzer. Viele fest installierte "Starenkästen" stehen an häufigen Unfallorten, also an Stellen, an denen Geschwindigkeitsübertretungen besonders riskant und folgenreich sein können. Zum anderen rücken täglich Polizeibeamte und kommunale Ordnungskräfte mit mobilen Messgeräten an die Straßenränder aus, um zu schnelle Autofahrer zu erwischen. Glück hat nur, wer im Radio von den Kontrollen erfährt. 

Bisher stellt der Staat den erzieherisch-disziplinierenden Ansatz mit Bußgeldern dem Schutz der Verkehrsteilnehmer voran. Ein nichtsahnender Raser, der bei Rot noch über die Kreuzung hetzt, gefährdet das Leben anderer stark. Der vom Navi gewarnte Verkehrsteilnehmer nimmt den Fuß dagegen rechtzeitig vom Gas. Anders gesagt: Das Wissen um die drohende Strafe entfaltet ihre Wirkung, bevor die Tat geschieht und verhindert Schlimmes. In vielen Ländern Europas kündigen Hinweisschilder solche Radarkontrollen sogar an. "Kontrola Radarowa" heißt es in Polen , "contrôles automatiques" in Frankreich .

Umdenken hat längst eingesetzt

Die Warnungen vor ortsfesten Blitzern zu legalisieren, soll keine Einladung sein, auf den Strecken dazwischen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit permanent zu übertreten. Es ist kein Widerspruch, Bleifüße wie bisher auch mittels spontaner Geschwindigkeitskontrollen zu disziplinieren. Auch weiterhin soll die Polizei ihre Laserpistolen auf den Verkehr richten und spontan Radarfallen am Straßenrand postieren.

Doch selbst hier hat längst ein Umdenken eingesetzt. Seit Jahren toleriert der Staat Blitzerwarnungen im Radio, obwohl sie die Wirkung der Kontrollen neutralisieren. Der Polizei ist ein StVO-konformer Autofahrer lieber als ein zahlender. Ein Grund mehr, den unzeitgemäßen Bann von Blitzer-Warnmeldungen in Navis und Smartphone-Apps aufzuheben. Verteidiger des Verbots mögen einwenden: Autofahrer werden nach Passieren der Überwachungszone umso fester aufs Gas drücken. Doch diese Kraftmeierei wird es geben, solange es Individualverkehr auf der Straße gibt und es manchen Autofahrern an persönlicher Reife fehlt. Solches Verhalten lässt sich weder durch Kontrollen noch durch Regeln verändern. Da hilft nur Überzeugungsarbeit.