Lange Jahre war die Mercedes S-Klasse in der Oberklasse praktisch konkurrenzlos. Bis zum Frühjahr 1977: Da brachte BMW als Nachfolger des wenig erfolgreichen E3 den ersten 7er auf den Markt. Die neue Baureihe E23 war die erste echte Luxuslimousine der Münchener und bewies der S-Klasse vom Start weg, wie dynamisch man im obersten Fahrzeugsegment sein kann.

Das zeigte sich schon bei der Optik. Der Mercedes wirkte mit seinen mächtigen Rechteck-Scheinwerfern und dem Festungs-Kühlergrill imposant bis wuchtig – der 7er BMW war deutlich filigraner. Markant sind bis heute die Doppelscheinwerfer und die geneigte Doppelniere im Stile eines Haifischmauls, mit denen sich der E23 an das Luxuscoupé des 6ers anlehnte, der ein Jahr zuvor Premiere gefeiert hatte.

Der erste 7er sollte so fahrdynamisch sein, wie man es von den sportlichen Bayern kannte, und zugleich bei BMW bis dato unerreichten Komfort und Luxus vereinen. Im Innenraum zeigte sich der 4,86 Meter lange Wagen für damalige Zeiten sehr modern. Die großen Runduhren des Cockpits lieferten nur einen Teil der Informationen. Links oberhalb des Fahrerknies gab es eine frühe Art von Bordcomputer. Per Knopfdruck konnte der Fahrer prüfen, ob das Licht in Ordnung war, der Motor genügend Öl hatte und die Bremsflüssigkeit ausreichte.

Ölkrise kippt V8- und V12-Version

Erst mit leichter Verzögerung gab es den BMW 7er auch mit standesgemäßen Ledersitzen. Doch in den siebziger Jahren war edler Flockvelours bei vielen Kunden beliebt. Wer das Topmodell, den 733i, mit den Extras der nicht allzu langen Aufpreisliste versah, erhielt elektrische Fensterheber vorn und hinten, ein elektrisches Schiebe-/Ausstelldach, eine manuelle Klimaanlage, Colorglas. Serienmäßig waren schon der elektrische Außenspiegel, Alufelgen, Servolenkung und Kopfstützen im Fond. Auf besonderen Wunsch wird die Ausstattung noch mit einem Autotelefon und elektrisch verstellbaren Sitzen komplettiert.

Der 733i hatte im Jahr 1977 den besten Motor von BMW, einen 3,2 Liter großen Reihensechszylinder vom Typ M30. Er lieferte 197 PS und hatte ein maximales Drehmoment von 280 Nm bei 4.300 Umdrehungen pro Minute. Damit schaffte der Wagen bis zu 215 km/h.

In den Jahren 1979/80 kamen dann die stärkeren Versionen 735i mit 218 PS und der aufgeladene 745i mit 252 PS. Die Fertigung von lange geplanten größeren Versionen mit Acht- und Zwölfzylindermotoren wurden aus Kostengründen und wegen der Ölkrise gekippt. 1979 ersetzte der 732i mit digitaler Motorelektronik und nahezu identischer Leistung den 733i. Er erhielt auch das von Bosch und Daimler gemeinsam entwickelte Antiblockiersystem.

 Panzerlimousine für Bayerns Landesvater

Als der BMW 7er im Mai 1977 auf den Markt kam, trat er in Konkurrenz zur Mercedes S-Klasse der Baureihe W116, die fünf Jahre zuvor erschienen war. Insbesondere mit den großen Motorisierungen 350 und 450 waren Wirtschaftsbosse und Politiker in einer S-Klasse unterwegs, in der Regel natürlich mit schwerer Panzerung und als Langversion. Doch der bayerische Ministerpräsident konnte es kaum erwarten, sein Panzerdoppel aus Mercedes 350 SEL und 450 SEL durch ein angemessenes Produkt aus dem Freistaat zu ersetzen.

Mit Hochdruck wurden Ende 1977 zwei BMW 733i mit Panzerung entwickelt, die dem Ministerpräsidenten fortan Schutz von Angriffen jeglicher Art geben sollten. Ehemalige Personenschützer berichten, dass das Fahrverhalten der nachträglich schwer gepanzerten 7er-Versionen alles andere als einfach war und die Fugen bei flotter Fahrt so groß wurden, dass es zog. Das Gewicht war mit knapp drei Tonnen so hoch, dass die Staatslimousine nur mit drei Personen besetzt werden konnte. Der Komfort war durch die weit in den Innenraum ragenden Panzerplatten deutlich eingeschränkt.

Doch die Serienversionen des BMW 733i und seiner kleineren Brüder 728, 728i und 730 waren den Mercedes S-Klassen im Hinblick auf die Fahrdynamik klar überlegen. Lenkung, Bremsen, Fahrwerk und Antrieb waren der Konkurrenz weit voraus – zumindest, wenn man es schnell bevorzugte.

Das Fahren in dem 1,5 Tonnen schweren BMW 733i überzeugt heute wie vor 35 Jahren. Fahrdynamik und Kurvengeschwindigkeiten sind beachtlich, wenn man sich erst einmal an die kräftigen Wankbewegungen gewöhnt hat. Der Sechszylinder ist wunderbar drehfreudig. Vor allem in Kombination mit der manuellen Viergangschaltung ist der Motor eine Glanzbesetzung. Die Getriebeautomatik nimmt dagegen dem 7er viel von seinem Schwung und kann nicht mit der in der S-Klasse mithalten.

Was dem BMW 7er in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren insbesondere fehlte, war der Stern auf dem Kühlergrill. Das bayerische Modell hatte einfach nicht das nötige Image, um der S-Klasse die Position streitig machen zu können. Das hat sich vom Grundsatz her bis heute kaum geändert. Der aktuelle 7er ist längst auf Augenhöhe mit dem Stuttgarter Rivalen sowie mit dem aufgestiegenen Audi A8. Doch weltweit betrachtet führt der Mercedes nach wie vor unangefochten das Topsegment an. Der Dreikampf geht weiter – und dabei warten alle auf die neue S-Klasse, die im Frühjahr 2013 Premiere feiert.