Die Liste der gegen Aufpreis bestellbaren Fahrassistenzsysteme für den neuen Golf ist lang und teuer. Darunter findet sich erstmals für Deutschlands meistverkauftes Auto eine City-Notbremsfunktion. Sie soll durch eine automatische Verzögerung Auffahrunfälle verhindern oder abmildern. Falls der Fahrer im Stadtverkehr abgelenkt ist, leitet die Elektronik automatisch ein Bremsmanöver ein.

Volkswagen verlangt dafür fette Preise – viel mehr, als es die 555 Euro im Konfigurator vermuten lassen. Das Extra ist nämlich an die Müdigkeitserkennung (25 Euro), die Multifunktionsanzeige Plus (50 Euro), das Multifunktionslenkrad (350 Euro) sowie mindestens an das günstigste Radio (410 Euro) gebunden. Macht zusammen 1.390 Euro. Addiert man dazu, dass dieses Sicherheitsfeature für den Standardbenziner nicht erhältlich ist, sondern erst ab dem kleinen Dieselmotor, kommen sogar 5.140 Euro gegenüber dem Grundpreis von 16.975 Euro zusammen.

"Das werden wir ändern", sagt Andre Seeck selbstbewusst. Er ist Leiter der Abteilung Fahrzeugtechnik bei der Bundesanstalt für Straßenwesen und zugleich Präsident des Euro NCAP . Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Verein, der neue Autos auf ihre Sicherheit testet und maximal fünf Sterne vergibt. Sterne, mit denen dann gerne in den Anzeigen der Hersteller geworben wird.

Anders aber als etwa bei Kühlschränken, bei denen A+ noch lange nicht das Beste ist, werden die Bewertungsmaßstäbe beim Euro NCAP immer wieder verschärft, um das Ranking nicht zu entwerten. Für das Jahr 2014 hat Euro NCAP das Jahr der aktiven Sicherheit ausgerufen. Dann wird es praktisch unmöglich, ohne ein serienmäßiges Stadtnotbremssystem, das bis 50 km/h aktiv ist, die höchste Bewertung zu bekommen.

"Wir orientieren uns dabei immer an der geringsten in den EU 27-Staaten erhältlichen Serienausstattung", erklärt Seeck das Bewertungsschema. Ausschlaggebend für die Sterne-Vergabe ist also nicht, was gegen Aufpreis im Topmodell erhältlich ist, sondern was in jedem Basismodell in der ganzen EU ohne Mehrpreis eingebaut ist. Nur so, da ist sich Seeck sicher, könne das Ziel einer höheren Verkehrssicherheit erreicht werden: Bis 2020 soll sich die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten halbiert haben.