Keine anderen Straßen sind so gefährlich wie Landstraßen: Von allen Verkehrstoten in Deutschland sind fast zwei Drittel Unfallopfer auf einer Kreis-, Landes- oder Bundesstraße außerhalb von Ortschaften. 2.205 von insgesamt 3.347 Unfalltoten sind im Zeitraum Januar bis November 2012 auf Landstraßen ums Leben gekommen. (Für Dezember liegen noch keine konkreten Zahlen vor.)

Wie man die Sicherheit insbesondere auf Landstraßen mit je einem Fahrstreifen pro Richtung verbessern kann, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zusammen mit Forschern der Technischen Universität Dresden in einem Großversuch ausprobiert. Über einen Zeitraum von drei Jahren testeten die Verkehrsexperten auf gefährlichen Strecken Geschwindigkeitskontrollen sowie zusätzliche Überholstreifen.

Die Wahl fiel auf diese beiden Mittel, weil laut BASt ein Kontrollverlust über das Auto oder Fehler beim Überholen die Ursachen für die meisten schweren Unfälle auf Landstraßen sind. Außerdem lassen sich Blitzer und Überholstreifen kurz- bis mittelfristig realisieren. Die Forscher wählten in mehreren Bundesländern zehn Abschnitte auf zweispurigen Bundesstraßen und einer Landesstraße, an denen sich bereits viele Unfälle ereignet haben, für den Versuch aus.

Erheblich weniger Unfälle

An fünf wurden über eine längere Strecke, zum Beispiel über zehn Kilometer, mehrere feste Radarfallen installiert. An den anderen fünf wurden abschnittsweise Überholstreifen angefügt und mit Überholverboten in den dazwischen liegenden Abschnitten kombiniert. Autofahrer konnten also den Fahrstreifen des Gegenverkehrs zum Überholen nicht mehr nutzen. Stattdessen hatte die Fahrbahn an diesen Stellen drei Streifen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Auf den Strecken mit Radarkontrollen ging die Zahl der Unfälle um gut die Hälfte zurück. Und viele Unfälle, die nicht verhindert werden konnten, liefen glimpflicher ab.

"Der Hauptgrund dafür lag in einem zum Teil signifikanten Rückgang der Fahrgeschwindigkeiten durch die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit", schreiben die drei Autoren des Forschungsberichts. Vor der Errichtung der Radarfallen überschritten auf den Abschnitten, auf denen maximal 100 km/h gilt, rund 20 Prozent der Autofahrer die erlaubte Geschwindigkeit um bis zu 20 km/h. Mit Kontrolle waren es nur noch fünf Prozent. Auf der Landstraße mit Höchsttempo 80 km/h sank der Anteil der Raser von 60 auf neun Prozent.

Große Mehrheit akzeptiert die Blitzer

Auch die sichereren Überholmöglichkeiten reduzierten die Unfälle stark. Die Zahl der Unfälle mit Personen- und schweren Sachschaden fiel der Untersuchung zufolge um fast zwei Drittel. Selbst kurze Überholstreifen mit nur 600 Metern Länge hätten die Verkehrssicherheit erhöht.

In Befragungen der Autofahrer stellten die Forscher außerdem fest, dass die Maßnahmen im Großen und Ganzen akzeptiert werden. Die Zustimmung zu den Überholstreifen lag bei über 90 Prozent, eine deutliche Mehrheit empfand auch die Überholverbote in den Abschnitten zwischen den zusätzlichen Streifen als gerechtfertigt. Mit dem Einsatz der Radarkästen waren, nach anfänglicher Skepsis, je nach Strecke ebenfalls zwischen 75 und 95 Prozent der Autofahrer einverstanden. Dieses Ergebnis überraschte selbst die Verkehrsexperten, schließlich hatte es vorher klare Kritik an den neuen Geschwindigkeitskontrollen gegeben. Eine deutliche Mehrheit bescheinigte den Abschnitten, durch die Tempokontrollen sicherer geworden zu sein. Zudem hätten befragte Autofahrer über ein "deutlich entspanntes Fahren" berichtet.

Autoren empfehlen mehr Blitzer und Überholstreifen

Die Forscher raten den zuständigen Straßenbauämtern, Radarfallen und zusätzliche Überholstreifen auf unfallträchtigen Landstraßen zu erwägen – das jeweils gewählte Mittel hängt natürlich davon ab, ob die Unfälle nachweislich eher auf unangepasste Geschwindigkeit oder auf Fehler bei Überholvorgängen zurückzuführen ist. Vor allem die ortsfesten Blitzer lassen sich kurzfristig einrichten. Sie sollten möglichst im Abstand von höchstens 2,5 Kilometern aufgestellt werden, um die angestrebte Wirkung zu erzielen, raten die Autoren.

Bei den Überholstreifen empfehlen die Wissenschaftler statt einzelner langer eher mehrere kurze, wobei diese mindestens 600 Meter lang sein sollten. Damit ein möglichst großer Teil der Autofahrer die Maßnahmen akzeptiert, sollten gut sichtbare Hinweisschilder die Radarkästen und die Überholstreifen rechtzeitig ankündigen.