Bei Aral gibt es künftig nur noch Diesel, und die Zapfpistolen von Shell passen nur noch in Autos von Volkswagen. Was im wahren Leben kaum vorstellbar und sicher Anlass zu lautem Protest wäre, ist für die Zukunft der Elektromobilität derzeit eine große Hürde: Bislang gibt es keinen weltweit einheitlichen Standard für die Ladestecker, und auch bequeme Bezahlmodelle müssen noch ausgeklügelt werden.

Die möglichen Probleme, mit denen Fahrer von Elektroautos konfrontiert werden, sind vielfältig. Was macht der Kunde des Stromanbieters X, wenn er in einer Region unterwegs ist, in der nur Ladestationen des Anbieters Y zu finden sind? Wie sieht es im Auslandsurlaub aus, wenn das Ladekabel einen Stecker vom Typ 2 hat, im Urlaubsland aber nur Steckdosen für Typ 3 verfügbar sind? "Heute gleicht das Laden eines Elektroautos einem Abenteuer, besonders im Ausland", bestätigt Wolfgang Dürheimer von Audi.

Drei Ladestecker-Modelle stehen weltweit zur Auswahl. Der Typ 1 ist in Japan und den USA gebräuchlich, Typ 2 wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern favorisiert, Typ 3 ist die französische und bis vor Kurzem auch italienische Lösung. Jeder dieser Typen hat seine Eigenheiten, hat Vor- und Nachteile – ist aber vor allem nicht mit den anderen Typen kompatibel.

Frankreich und Deutschland im Stecker-Clinch

Dass ein Land an einem bestimmten Modell festhält, hat bisweilen Gründe, die Experten fassungslos den Kopf schütteln lassen. Frankreich beharrt nicht etwa wegen technischer Eigenschaften auf dem Typ 3 – vielmehr ist es in dem Land üblich, dass Steckdosen eine Klappe als Kindersicherung besitzen, den sogenannten Shutter. Einen solchen besaß der konkurrierende Typ 2 aber nicht, jedenfalls nicht in seiner Urfassung.

Man könnte das Sicherheitsverständnis der Franzosen loben oder einfach respektieren, nur gibt es längst eine Lösung: Der Stecker-Typ 2 besitzt mittlerweile einen Shutter, der in Ländern genutzt werden kann, die dieses Extra gewohnt sind. Er funktioniert aber auch ohne die Klappe. Genau darum setzt Italien als weiteres Shutter-Land seit Ende Mai ebenfalls auf den Typ 2 als einheitlichen Ladestecker. Frankreich allerdings beharrt weiter auf der eigenen Lösung.

Dieses Hickhack bremst potenzielle Käufer eines strombetriebenen Autos möglicherweise in ihrem Elan, auf die Elektromobilität umzusteigen. Es ist nicht der einzige Hemmschuh. Neben einem einheitlichen Stecker müsse auch gewährleistet sein, dass jeder Elektroautofahrer an jeder Ladestation seinen Wagen auftanken kann, sagt Federico Caleno vom größten italienischen Stromversorger Enel – unabhängig davon, welcher Anbieter die Station aufgestellt hat und unabhängig davon, mit wem der Fahrer selbst einen Stromvertrag abgeschlossen hat.