In der EU gelten für die Autoindustrie ab dem Jahr 2020 neue Abgas-Höchstgrenzen. Das Europäische Parlament und die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten erzielten einen entsprechenden Kompromiss, teilte die irische EU-Ratspräsidentschaft mit. Demnach soll ab dem Jahr 2020 für den Abgasausstoß eine Höchstgrenze von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer gelten. Der Grenzwert gilt für den Durchschnitt aller Neuwagen in der EU. 

Laut Ratspräsidentschaft soll für das Jahr 2025 eine noch niedrigere Höchstgrenze für den Kohlendioxid-Ausstoß festgelegt werden. Dies solle der Autoindustrie frühzeitig ein "klares Signal" geben, damit diese ihre Autos künftig entsprechend den Anforderungen bauen könnte, sagte Irlands Umweltminister Phil Hogan.

Im Kompromiss enthalten ist auch ein Bonussystem für die Autohersteller zur besonderen Anrechnung von Autos mit extrem niedrigen Schadstoffemissionen. Mit den sogenannten Supercredits sollen etwa Elektroautos oder andere schadstoffarme Wagen wie Hybridfahrzeuge mehrfach gezählt werden. Im Gegenzug können die Hersteller mehr schwere Wagen mit hohen Emissionen bauen und die Schadstoffwerte verrechnen.

Derzeit wird jedes verkaufte Fahrzeug, das weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, mit dem Faktor 3,5 angerechnet. Bereits beschlossen war, dass der Wert bis 2015 auf 1,5 sinkt; zwischen 2016 und 2019 gibt es keine Supercredits. Neu ist: Von 2020 an sollen die Autobauer sich für jedes schadstoffarme Fahrzeug zwei anrechnen lassen können, wie EU-Diplomaten erläuterten. 2023 solle dieser Bonus auslaufen. Die Hersteller müssen so weniger bei konventionellen Wagen sparen, um ihre Klimavorgaben zu erreichen.

Die Regelung soll einen Ansporn für die Entwicklung neuer Technologien bieten. Umweltschützer verdammen die Supercredits allerdings als Schlupflöcher. Greenpeace kritisierte, mit den Regelungen seien die EU-Gesetzgeber erneut auf die "Panikmache" der Autoindustrie reingefallen, insbesondere der deutschen Hersteller , bei denen große Fahrzeuge einen erheblichen Teil der Produktpalette ausmachen.

Bei den Regelungen zu den Boni für besonders schadstoffarme Autos handle es sich um ein "Hintertürchen" für die Autohersteller. Die Umweltorganisation sprach von "Subventionierung deutscher Spritschlucker". Folge sei, dass die neue Höchstgrenze von 95 Gramm faktisch nicht bis 2020 umgesetzt werde, sondern erst bis 2022 und bis 2023.

Dem Kompromiss müssen noch die Botschafter der EU-Länder in Brüssel und die Mitgliedsstaaten zustimmen. Voraussichtlich im Juli votieren der Ausschuss und das Plenum des Europaparlaments darüber.