Cabrios gehören zur Marke Mercedes-Benz wie die Weißwurst zu den Bayern. Zugleich haben offene Fahrzeuge nicht nur bei den Fans, sondern auch bei weniger emotionalen Autonutzern einen besonderen Stellenwert – und das gilt natürlich auch für Old- und Youngtimer. Ein wenig kurios ist, dass der Mercedes SL der Baureihe R 107 beides sein kann: Old- und Youngtimer.

18 Jahre lang war die schlichte Baureihe zu haben. Im Jahr 1971 kam das 4,39 Meter lange Cabrio auf den Markt, als Nachfolger des wesentlich kürzer gebauten Modells W 113, das umgangssprachlich "Pagode" genannt wurde. Erst 1989 wurde die Baureihe durch den modernen R 129 ersetzt. Keine SL-Generation wurde so lange gebaut, und so stieg die Baureihe R 107 bald in den Rang eines Klassikers auf.

In den frühen Siebzigern war der SL stilbildend für die Marke insgesamt: Die großen geriffelten Rückleuchten etwa fanden sich 1972 auch an der neuen S-Klasse. Eine Reihe von Modellpflegen hielten den Roadster bis zuletzt auf dem neuesten Stand – sogar ein Fahrer-Airbag und der skurrile Mercedes-Reiserechner konnten gegen Aufpreis bestellt werden.

Exzellenter Cruiser

1980, als der SL der Baureihe 107 bereits neun Jahre gebaut wurde, gab es auch leichte optische Retuschen im Innenraum. Das Lenkrad erhielt einen flacheren Pralltopf analog zur frisch eingeführten S-Klasse W 126. Dass die Schalter für die optionalen elektrischen Fensterheber und die Warnblinkanlage nun weniger klobig waren, dürfte nur wahren Liebhabern ins Auge gefallen sein. Technikaffinen Interessenten entging hingegen sicherlich nicht der modifizierte, von 3,5 auf 3,8 Liter angewachsene kleine Achtzylinder mit dem internen Code M116, der nun zudem komplett aus Aluminium bestand.

Genau einen solchen Mercedes 380 SL, Baujahr 1983, konnten wir für eine Ausfahrt gewinnen – der gepflegte weiße Roadster mit dem blauen Verdeck wird in diesem Jahr offiziell zum Oldtimer, denn dafür muss das Exemplar mindestens 30 Jahre alt sein. Nach dem Schlüsseldreh verfällt der V-8-Motor in einen sauberen Leerlauf. Es geht von Witten aus über ein paar kleine Nebenstraßen auf die Landstraße, wo der offene Benz etwas schneller fahren darf: perfekt, um die Solidität des Wagens zu prüfen.

Verwindung kennt der Roadster nicht, völlig unbeeindruckt rollt er über Kopfsteinpflaster. Wird der Gasfuß schwerer, schaltet die Viergang-Wandlerautomatik prompt einen Gang zurück. Der 107er erweist sich als exzellenter Cruiser, je nach Ausstattung auch mit Tempomat.