In den USA sind Hersteller, Gewerkschaftsführer und Behörden gleichermaßen dafür verantwortlich, dass auf die dortigen Herausforderungen nicht ausreichend reagiert wurde. So lautete eine der Kernthesen des Vorstandsvorsitzenden von DaimlerChrysler, Dieter Zetsche. In seiner Rede beim vom German Marshall Fund veranstalteten Brüsseler Forum über "Trans- atlantische Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung" forderte er dazu auf, aus den Erfahrungen des nordamerikanischen Automobilmarktes zu lernen.

Europa stehe möglicherweise vor einer ganz ähnlichen Entwicklung wie die USA, betonte Zetsche vor rund 250 Staatschefs, hochrangigen Vertretern verschiedener Institutionen der Europäischen Union und der Mitgliedsstaaten sowie Parlamentariern, Kongressmitgliedern und Vertretern der US-Regierung. "Es geht darum, aus den Erfahrungen in Amerika zu lernen, damit man sich in Europa auf einen solch grundlegenden Wandel vorbereiten kann. "In einigen Jahren wird man uns jedenfalls daran messen, wie schnell und effektiv wir auf die aktuellen Herausforderungen reagiert haben", unterstrich Zetsche. Während zahlreiche Wachstumsmärkte den Zugang für ausländischen Wettbewerb nach wie vor beschränkten, wachse der Konkurrenzdruck in Europa weiter - was teilweise auf die Präsenz asiatischer Hersteller zurückzuführen sei. Um trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben, reagierten Autobauer in ganz Europa mit Umstrukturierungen.

"Eine solche Entwicklung ist allerdings nichts Neues", so Zetsche, der in Auburn Hills (Michigan) fünf Jahre lang das Geschäftsfeld Chrysler Group leitete. "Schlank, diszipliniert, schnell" - diese Grundsätze sollte sich jedes europäische Unternehmen zu Eigen machen. Die Fokussierung auf das Kerngeschäft, das beständige Vorantreiben kundenorientierter Innovationen und das Übernehmen von globaler gesellschaftlicher Verantwortung seien die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autobauer.

Mit Blick auf die Rolle des Staats beim Übergang zu einer echten Weltwirtschaft sprach sich Zetsche für die Aufhebung aller Zollbarrieren und sonstiger Handelsbeschränkungen sowie für eine Liberalisierung der Märkte aus - einschließlich des transatlantischen Marktes.

In Bezug auf die europäischen Sozialstaatsmodelle machte Zetsche deutlich, dass sie auf globaler Ebene wettbewerbsfähig sein müssen, ganz gleich, um welches Modell es sich handelt. "In einer globalisierten Welt muss eine Gesellschaft irgendwann entscheiden, was sie sich noch leisten kann. Je länger sie damit wartet, desto schwerwiegender werden die Folgen sein. Und im schlimmsten Fall wird ihr die Entscheidung sogar ganz abgenommen." (ar/Sm)