Für Autofahrer ist ein Navigationsgerät ein nützliches Extra, das die Wegfindung erleichtert und das mühsame Suchen auf Straßenkarten erspart. Kriminelle dageben interessieren sich für derartige Vorzüge denkbar wenig. Sie sehen in Navigationsgeräten und weiteren elektronischen Extras vor allem eine interessante Einnahmequelle. Das hat zur Folge, dass mancher Autoknacker sich spezielle Fähigkeiten aneignet, um schneller und besser an die wertvolle Ware zu kommen - während Polizei und Versicherer vor einem neuen Problem stehen.

Dass sich derzeit etwas tut in Sachen Diebstahl aus dem Auto, das ist in Fachkreisen schon bekannt und sorgt für Unruhe. Nur weiß man immer noch nicht so genau, mit welchem Ausmaß man es zu tun hat. "Wir wissen, dass solche Dinge immer mehr entwendet werden", bestätigt Christan Weishuber, Sprecher der Allianz Versicherung in München. "Das Problem ist, dass wir keine Zahlen haben."

Auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin steht man vor dem Problem fehlender Zahlen. Denn laut GDV-Sprecher Klaus Brandenstein werden statistisch nur Bereiche wie "Radio/Phono" oder "Sonstiges" erfasst - eine genauere Differenzierung wird noch nicht gemacht. "Aber man weiß, dass es ein Problem ist." Das ist allerdings eben noch recht neu, so dass man sich nun Wege überlegen muss, solche Diebstähle genauer zu erfassen.

Bei der Polizei Hamburg zeigt zumindest die Kriminalstatistik des Jahres 2005, was Kriminelle derzeit bevorzugen. Insgesamt freut die Behörde sich zwar, dass mit 22 331 Fällen von Diebstahl aus Autos die niedrigste Zahl seit 1981 erreicht wurde. Doch wenn etwas gestohlen wurde, war es oft wertvoll: An erster Stelle liegt bei entwendeten Auto-Teilen mit 31,4 Prozent weiter das Autoradio. Auf dem zweiten Platz jedoch folgt laut Polizeisprecherin Karina Sadowsky bereits der Bereich der Navigationsgeräte. "Der Anteil liegt bei 15,5 Prozent - im Jahr davor waren es noch weniger als 10 Prozent." Auch die nächsten Plätze zeigen, dass Diebe es auf Elektronisches abgesehen haben: Platz drei belegen laut Sadowsky mit 9 Prozent Handys, danach kommen mit 5 Prozent Laptops - und Airbags mit 4,5 Prozent.

Einen großen Anteil an entwendeten Navigationssystemen dürften die immer weiter verbreiteten mobilen Geräte haben. "Diese Geräte sind von außen meist sehr gut sichtbar untergebracht", sagt Johann Novicki, Experte für Elektroniksysteme beim ADAC in München. Hinzu kommt, dass die Geräte nicht fest im Auto montiert werden, da sie ja auch mobil sein sollen. Novicki rät daher, ein mobiles Navigationsgerät beim Verlassen des Fahrzeugs auf jeden Fall aus dem Sichtbereich zu nehmen - schon die Unterbringung im Handschuhfach ist besser als das zur Schau stellen hinter der Windschutzscheibe.