Anthony Hopkins? Wer an Hopkins denkt, denkt sofort an böse Menschen. Zumindest erinnert man sich ungern an die Zeitgenossen, denen er in seinen besten Filmen Statur verleiht. Beispiel Richard Nixon. Der Brite Hopkins spielte uns 1995 einen furchterregenden Machtmenschen im Oval Office: misstrauisch, verwirrt; ein fast autistischer Verschwörer.

Oder Hannibal Lecter. Der hochintelligente Serienkiller aus dem "Schweigen der Lämmer" herrscht über seine Opfer und das FBI in Person von Jodi Foster wie über Figuren auf einem Schachbrett. Er sitzt hinter Gittern, doch er hat eine Waffe – es sind Lecters Augen, seine Blicke, die wie Skalpelle in die Gefühle der Zuschauer schneiden. Hopkins ist ein Virtuose der Kunst, einem Charakter eine Aura der Gewalt, des Willens und der Macht zu geben. Seine Figuren sind Kunstwerke der Suggestion.

Warum also spielt jemand wie Hopkins nun den harmlosen Rentner Burt Munro, der sein Leben in einer Motorradwerkstatt verbringt? Dessen Geschichte ist schnell erzählt: Munro, ein exzentrischer Kauz und Einzelgänger, bastelt seit Dutzenden von Jahren im neuseeländischen Invercargill an seiner alten Indian Scout V-Twin – und nervt seine Nachbarn mit nächtlichen Motorentests.

Munro will herausfinden, wie schnell der umgebaute Oldtimer Baujahr 1920 eigentlich läuft - und zwar nicht zu Hause in Neuseeland, sondern während der jährlichen "Speedweeks" auf den berühmten Salzseen von Bonneville/Utah. Bevor seine Maschine allerdings über die Ebene fliegt, muss Munro nicht nur einen Herzinfarkt, sondern auch eine epische, chaotische Reise von Down Under bis Utah überstehen. Als Munro halb taub und im für Rennfahrer reichlich fortgeschrittenen Alter in Utah ankommt, hat der Film ihn und uns mit einigen illustren Zufallsbekanntschaften zusammengeführt: mit einem Indianer, der ihm die Prostata heilen will, einer unternehmungslustigen Witwe, die von einer Schnelltrauung träumt, und einem Transvestit mit ganz großem Herz.

Ein Film mit solch wunderlichem Personal kann leicht ins Peinliche abrutschen – dass "The World's Fastest Indian" elegant die Kurve kriegt, hat zwei Gründe.