Die Aufregung ist der Größe der Fahrzeuge angemessen: Seit in Niedersachsen im Rahmen eines Pilotprojektes neue Lastwagen mit bisher ungekannten Abmessungen versuchsweise eingesetzt werden, wird an anderer Stelle intensiv über den Sinn oder Unsinn solcher Gefährte diskutiert. Tatsächlich bieten die "Monstertrucks" allerlei Ansatz zu Diskussionen - ob es nun um das Einfädeln mit dem Pkw auf der Autobahn geht, um zusätzliche Risiken für Radfahrer oder auch um mögliche Gefährdungen der immer stärker belasteten Straßen.

Denn auch wenn noch nichts über einen möglichen generellen Einsatz der Riesen-Laster entschieden ist, werden für die Messe "IAA Nutzfahrzeuge" vom 21. bis 28. September in Hannover weitere Neuheiten ihrer Größenordnung erwartet. Bisher gibt es nur in Niedersachsen eine Ausnahmegenehminigung, in deren Rahmen die neue Lastwagen auf bestimmten Strecken eingesetzt werden dürfen. Von bekannten Lkw unterscheiden sie sich deutlich: Statt gebräuchlicher Höchstmaße von 16,5 oder 18,75 kommt die neue Fahrzeug-Gattung auf 25,25 Meter.

Abgesehen von der Länge ist aber auch das Gewicht ein Thema - so lässt die EU weitere Versuche mit Lastwagen zu, deren Höchstgewicht bei 60 Tonnen liegt. Zusätzliche Länge und erhöhtes Gewicht sorgen bei Verkehrsexperten aus unterschiedlichen Gründen für Unruhe. Gleich eine ganze Menge an Kritik gibt es in Hinblick auf die Abmessungen von 25,25 Meter. So weist Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt, auf das Problem der ohnehin schon zähen Überholmanöver der Lkw auf den Autobahnen hin. Denn die würden noch weiter verlängert.

Auch beim Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) in Frankfurt sieht man die Laderiesen recht skeptisch und denkt dabei unter anderem an das Image der Branche: "Viele Menschen werden diese Fahrzeuge als physische Bedrohung sehen", vermutet BGL-Hauptgeschäftsführer Prof. Karlheinz Schmidt. Neben der bedrückend beeindruckenden Optik gibt es aber noch eine Reihe weiterer Punkte, die laut Schmidt bisher kaum beachtet wurden. Dazu gehört auch die Frage, wie sich das Aus- und Einfädeln auf der Autobahn mit einem Personenwagen gestalten soll, wenn auf der rechten Spur eine nahezu lückenlose Reihe der langen Laster unterwegs ist.

ADAC-Sprecher Maximilian Maurer weist auf zusätzliche Gefahren bei möglichen Unfällen hin: "Für einen solchen großen Lastwagen ist eine Mittelleitplanke auf der Autobahn kein Hindernis mehr." Kommt die Fuhre ins Schlingern, geschieht das Unglück also nicht nur in der eigentlichen Fahrtrichtung, nach dem Durchbrechen der Mittelleitplanke ist auch der Gegenverkehr betroffen. "Was passieren kann, wenn so ein Fahrzeug in ein Stauende kracht, mag sich jeder selber überlegen." Die Überlegung der Hersteller, dass wegen der größeren Laderäume im Endeffekt weniger Lastwagen unterwegs sein könnten, lassen die Verkehrsexperten so ebenfalls nicht stehen. Abgesehen davon, dass der Einfluss schwerer Lastwagen auf Brückenkonstruktionen und die Straßen an sich noch zu untersuchen ist, könnte es gerade in der Nähe von Städten und Ballungsräumen durchaus zu mehr Verkehr durch Nutzfahrzeuge kommen. Grundsätzlich bestehen die Mega-Laster nämlich nicht aus einem Teil, sondern sind in der Regel eine Kombination von Zugmaschine, Auflieger und zusätzlichem Anhänger.