Eigentlich ist die Sache klar: Hersteller zahlen für Werbung, damit am Ende der Kunde wieder Geld für das beworbene Produkt ausgibt. Mittlerweile etabliert sich jedoch gerade im Bereich der Autoindustrie eine Werbetaktik, bei der mögliche zukünftige Kunden zunächst Geld ausgeben, um die gar nicht so offensichtliche Werbung überhaupt sehen zu können.

Zu finden ist so etwas in den Regalen für Computer- und Videospiele. Dort stehen Rennspiele, bei denen es nicht nur um das Gewinnen auf dem Bildschirm geht, sondern auch darum, dass die neuesten Produkte der Hersteller in digitaler Form über die Kurse geprügelt werden können, um so schon früh Begehrlichkeiten für Modell und Marke zu wecken.

In der Frühzeit der Videospiele waren die grafisch dargestellten Automodelle eher unförmige Klötze, die nur entfernte Ähnlichkeit mit dem Original aufwiesen. Heute jedoch ist die Technik so weit entwickelt, dass Lackspiegelungen ebenso wie Markenemblem und kleinste Merkmale in frapierender Detailfülle auf die Monitore gebracht werden. Und das führt dazu, dass die Modelle zahlloser Hersteller als Hauptdarsteller oder Statisten in die Spielwelt aufgenommen werden. So ist auf der Packung des jüngsten Teils der Erfolgsreihe "Need for Speed" unverkennbar ein BMW Coupé abgebildet.

Es gibt sogar Spiele wie "SCAR Squadra Corse Alfa Romeo" oder das VW-geprägte "GTI Racing", die nur Modelle einer Marke bieten. "Früher wurde das Bild einer Marke vor allem mit Werbung im Fernsehen und in Anzeigen geprägt", sagt Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Heute dagegen geht die Aufmerksamkeit immer weiter in Richtung des Internets oder digitaler Medien." Gerade Spiele sind in diesem Zusammenhang ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Zwar sind es immer noch vor allem Kinder und Jugendliche, die derartige Freizeitbeschäftigungen nutzen. Doch dies kann auch Auswirkungen auf die Eltern haben - zum Beispiel, wenn es um den Kauf eines neuen Autos geht. "Die Spiele bleiben im Gedächtnis der Kinder haften", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Mit der Folge, dass die Kinder auch eine Meinung dazu haben, in welches Fahrzeug sie gerne einsteigen würden - und welches sie ziemlich "uncool" finden.