Wer immer daran gezweifelt hat, ob VW-Chef Bernd Pischetsrieder seine Vertragsverlängerung bekommt, wird sich nun fragen müssen, warum er daran zweifeln konnte. Denn alles andere als die Vertragsverlängerung wäre eine mittlere Katastrophe für das Unternehmen Volkswagen und eine bodenlose Ungerechtigkeit gegenüber Pischetsrieder gewesen.

Es war dem Amt eines Aufsichtsratsvorsitzenden unwürdig, um es sehr zurückhaltend auszudrücken, Zweifel an der Vertragsverlängerung in die Öffentlichkeit zu tragen. Ferdinand Piëch hat hier zweifellos einen Fehler gemacht, was er inzwischen wohl auch so sieht. Es geht jetzt darum, konsequent nach vorn zu schauen. Wenn es in einem so von Eigeninteressen getragenen Umfeld auch schwer ist, Gewinner und Verlierer dieser Querelen auszumachen

Vielleicht ist er zu wenig politischer Taktierer und zu sehr auf die Führung des Unternehmens konzentriert gewesen, um sich geschickt auf die Angriffe der Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat vorzubereiten. Diese sind klar die Verlierer, denn Pischetsrieder kann jetzt ohne Rücksicht auf seine persönliche Zukunft Entscheidungen treffen, die notwendig und schmerzhaft zugleich sind. Die Gewerkschaften werden nicht ruhen, ihm das Leben schwer zu machen. Wären sie mit dem von ihnen aufgebauten Druck durchgekommen, hätte Pischetsrieder klein beigegeben oder seinen Hut nehmen müssen, dann wäre VW wirklich unführbar geworden. Wer hätte sich dann noch in diese Führungsaufgabe berufen lassen, die Führung nur mit dem Einverständnis der IG Metall möglich gemacht hätte?

Insofern ist die Vertragsverlängerung viel mehr als ein verlängertes Mandat. Es ist ein Sieg der Vernunft und ein klares Signal, dass sich die Gewerkschaften im gesellschaftspolitischen Spiel der Kräfte nicht alles erlauben dürfen. Auch IG-Metall- Chef Peters hat wohl gespürt, dass er in Sachen Vertragsverlängerung nahe dran war zu überziehen. Es kann jetzt nur noch darum gehen, den Konzern in die Zukunft auszurichten. Da haben politische Machtspielchen, wie sie die Gewerkschaft zu gern spielt, keinen Platz mehr. VW muss wettbewerbsfähig werden. Das hat doch längst jeder begriffen. Vor allem auch die (vernünftigen!) Betriebsräte. Wenn es nicht gelänge, VW weltweit wieder zu einem ertragsstarken Unternehmen zu machen, dann hätten auch die Gewerkschaften den Schaden, weil ihr arbeitslose Mitglieder wohl kaum jene Beiträge in die Kasse spülen, die sie von VW-Mitarbeitern kassieren. Und das sind über 40 Millionen Euro jedes Jahr.

Bernd Pischetsrieder hat also Grund zur Freude. Jetzt kann er richtig loslegen. Noch mehr freuen sollten sich die VW-Mitarbeiter, denn erst jetzt gibt es die Chance, die Probleme in Ruhe und langfristig in den Griff zu bekommen. Insofern ist die Vertragsverlängerung mehr als eine Unterschrift, ein Signal in viele Richtungen.

(Entnommen der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes "PS-Automobilreport")