VW-Chef Bernd Pischetsrieder bleibt im Amt. Der VW-Aufsichtsrat beschloss am Dienstag in Hamburg einstimmig, seinen Vertrag bis zum 16. April 2012 zu verlängern. Das teilte das Unternehmen am Abend nach der Sitzung mit. Pischetsrieder geht damit auch gestärkt in die Hauptversammlung des Konzerns an diesem Mittwoch, auf der kritische Fragen der Aktionäre insbesondere zu dem angekündigten Sanierungsprogramm für die ertragsschwache Kernmarke VW erwartetet wurden.

Das Votum der Kontrolleure war seit Wochen mit großer Spannung erwartet worden. Die Sitzung hatte gut drei Stunden später begonnen als ursprünglich geplant, da sich die getrennten Vorgespräche von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern lange hinzogen. Bis zuletzt war nicht sicher gewesen, ob der VW-Chef die notwendige Zwei-Drittel- Mehrheit bekommen würde.

Seit Tagen war spekuliert worden, dass eine Verlängerung am Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat scheitern würde. In einer Erklärung nach der Sitzung begründete der Konzernbetriebsrat seine Zustimmung damit, dass der Vorstand "ein nochmaliges, ausdrückliches und schriftlich sanktioniertes Bekenntnis" zur Standort- und Beschäftigungssicherung abgelegt habe. In einer Vereinbarung sei festgelegt worden, dass dies gleichrangig mit Wirtschaftlichkeitszielen in der Konzernstrategie verankert werde.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hoben nach der Sitzung hervor, es sei ihnen schon immer um Programme und um die Richtung gegangen, und nicht allein um die Person Pischetsrieder. Daher habe es viele offene Fragen gegeben, begründeten sie die langen Verzögerungen bei der Sitzung.

Der Vertrag des 58-jährigen Vorstandschefs Pischetsrieder läuft zwar noch bis zum Frühjahr 2007. Den Branchen-Gepflogenheiten gemäß wird aber ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags entschieden, ob er verlängert wird.

Anfang März hatte Pischetsrieders Vorgänger und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch für Wirbel gesorgt, als er die Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder als "offene Frage" bezeichnet und von einer starken Opposition der Arbeitnehmer-Seite im Aufsichtsrat gesprochen hatte. Dies war in der Branche als gezielte Demontage gewertet worden. Unmittelbar vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung hatten die Debatten um die Zukunft von VW-Chef Bernd Pischetsrieder bis zuletzt hohe Wellen geschlagen.

Heftige Kritik an Pischetsrieder wegen seiner Pläne zur Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke Volkswagen hatte auch VW-Gesamtbetriebsratschef Osterloh geäußert. Und er hatte dies ebenfalls in Zusammenhang mit der Abstimmung über die Vertragsverlängerung gebracht.