Hermann Horstkotte

Folgen der Plagiate: Uni-Karriere trotz plagiierter Doktorarbeit

Plagiatorin wieder in der Lehre

Ergänzend zu meinem Kommentar vom 25.5.2011 hier ein frdl. Hinweis von Frau Prof. Dr. Weber-Wulff:
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst 2011 ist die Ex-Professorin jetzt wieder in der Hochschullehre tätig, an der Hochschule Fulda:
https://qispos.hs-fulda.d... .

Auch die Diss. ist nach wie vor im Handel.
Alsdann auf ein gutes neues Jahr!

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Doktortitel: Rüge vergeht, Doktor besteht

Rügen nur verschwiegen (II)
" , die nicht eine Aberkennung ist, nach Promotionsordnung ohne Rechtsgrundlage wäre, ist die Rüge nicht-öffentlich erfolgt und nur den Verfahrensbeteiligten bekannt“, insoweit ohne Außenwirkung. Man hätte also die Akte genauso auch unter einer x-beliebigen anderen Überschrift zuklappen können.

Anders an der Berliner Charité: Dort ist eine „Rüge“ bei schuldhaftem wiss. Fehlverhalten satzungsgemäß vorgesehen: https://www.charite.de/fi... . Nach dem Grundsätzen der Forschungskommission (von 2005) kann die Rüge „öffentlich“ erfolgen: https://www.charite.de/fi...

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Doktortitel: Rüge vergeht, Doktor besteht

Rügen nur verschwiegen (I)

In 2 aktuell bei Vroniplag Wiki dokumentierten Plagiatsfällen : http://de.vroniplag.wikia... und http://de.vroniplag.wikia...
bestätigt die MedFak der Uni Düsseldorf auf Nachfrage, den Autoren eine „Rüge“ erteilt zu haben.
Dazu stellt die Pressesprecherin auf Nachfrage fest: „Die zuständige Promotionskommission hat bei beiden Dissertationen minderschwere Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens festgestellt. Die Grundlage für eine Rechtsfolge, sprich den Entzug des Doktortitels, bestand daher nicht. (…) Auch die Anhörung in dem Fall der Übereinstimmungen von Textpassagen zwischen Doktorvater und Doktorand (Apa) ergab keine rechtliche Grundlage für weitere Schritte.“
Auf die Frage nach der Rechtsgrundlage /Ermächtigungsgrundlage für den Verwaltungsakt Rüge antwortet die Sprecherin: „Dass die Ergebnisse der Prüfungen aktenkundig und mit einer akademischen Rüge der Fakultät – als Herrin des Verfahrens - verbunden sind, ist im Sinne der Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis sinnvoll und nicht rechtswidrig“ – was keine zureichende Antwort ist: nicht rechtswidriges Handeln gilt an sich nur für den Umgang von Privatpersonen nach BGB.
Die Rügen wurden nicht veröffentlicht, wozu die Sprecherin bemerkt: „Weil eine öffentliche Rüge naturgemäß belastend gewesen wäre und eine belastende Maßnahme" (weiter hier unter II)

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Dr. med.: Wie gut sind Mediziner-Promotionen?

Unendliche Gesichte Dickhuth
Die "PLagiataffäre" Dickhuth (2011-13) endete mit der Aberkennung der Habilitation des Promotions-Betreuers Dickhuth - wg. Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht gegenüber Doktoranden - bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung seines Prof.titels und der Beamtenpension.
Am 19.2.18 teilt der Pressesprecher der Uni Freiburg auf Nachfrage mit: "im Promotionsausschuss der Medizinischen Fakultät sind noch Verfahren zu Dissertationen anhängig, die im Zusammenhang mit dem Fall Dickhuth stehen." Dem Habil.ausschuss (!) war damals unklar geblieben , ob Doktoranden vom Habilitanden abschrieben oder umgekehrt.
Dabei erscheint es überhaupt abwegig, die Frage nach dem wiss. Urheber vordergründig am Text festzumachen. So stellt der nicht zuletzt in Plagiatsverfahren ausgewiesene Rechtsprofessor Klaus F. Gärditz fest: Den "Text zu formulieren, würde zum Beispiel in der Medizin allein noch nicht ausreichen, Miturheber zu sein, wenn es nur um die handwerkliche Formulierung von Erkenntnissen geht." Zu fragen ist vielmehr, wer die Rohdaten gewonnen hat - worüber die Laborbücher Auskunft geben müssten. Wenn sie das nicht tun, ist das Organisationsversagen dem Laborleiter/Institutschef zuzurechnen.

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Wissenschaftsplagiate: Angeschwärzt bei Vroniplag

Auf Rückfrage antwortet Arne Heller, das VG habe eine Berufung gegen das (vorstehend genannte) Urteil nicht zugelassen. Er habe aber Antrag auf Zulassung vor dem OVG gestellt.

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Wissenschaftsplagiate: Angeschwärzt bei Vroniplag

Die Entziehung des Doktorgrades wurde 2016 vom Verwaltungsgericht Hamburg bestätigt: http://www.landesrecht-ha...

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Ditib: Deutsche Imame gesucht

Hermann Horstkotte:
Für eine religionspolitische Lösung des Ditib-Problems lohnt ein Blick über den Gartenzaun etwa nach Österreich (http://religion.orf.at/st...) mit einem Islamgesetz von 1912, längst vor Gründung der Türkei, nach Frankreich mit seiner Trennung zwischen Staat und Religion (http://www.faz.net/aktuel...) oder in den EU-Raum überhaupt (http://www.economist.com/...).

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Ursula von der Leyen: Freispruch aus Mangel an Beweisen

Gnade und Recht (II)
Andererseits verzichtete (auch) die Uni Duisburg-Essen 2014 auf den Entzug des Doktorgrades wg. einer plagiierten Diss, was der Vorsitzende des Promotionsausschusses so begründete: (https://www.uni-due.de/de...): „Im einleitenden Teil der Arbeit sind zwar Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis festzustellen. Das schmälert aber nicht den Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft im Hauptteil der Arbeit." Daraufhin gab es keinen Kläger und keinen Richter.

Die Fakultäten nutzen ihren Ermessensspielraum mal so oder so. Gerichtsentscheidungen sind allemal sekundär - stets unter Wahrung dieses Spielraums der Prüfer.

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Ursula von der Leyen: Freispruch aus Mangel an Beweisen

Gnade und Recht
Jürgen Kaube erinnert in der FAS von heute an ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg aus dem Vorjahr, das die Aberkennung des Dr.med. durch die Fakultät bestätigt (http://www.rechtsprechung... ). Dort heißt es (Randnummern 99/100): „Eine der Klägerin günstigere Betrachtungsweise ergibt sich auch nicht im Hinblick darauf, dass sich die inkriminierten Stellen nur im ersten, „Allgemeinen“ Teil der Arbeit befinden, in der die Klägerin einen Überblick über die Problematik gegeben hat, nicht aber im zweiten, klinisch geprägten Teil. Soweit die Klägerin meint, dass der erste Teil an sich gar nicht nötig gewesen und auch von G(utacher, H.H.) . nur als „schmückendes Beiwerk“ verstanden worden sei, mag eine Beschränkung von medizinischen Doktorarbeiten auf die Darstellung klinischer Befunde und deren Bewertung einer verbreiteten Praxis entsprechen.“ / Demgegenüber bestätigt das Gericht die Auffassung, „ dass an den (…) allgemeinen Teil keine minderen Ansprüche an die Wissenschaftlichkeit gestellt werden dürfen als an die klinischen Ausarbeitungen.“ (Forts. anschließend)

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Ursula von der Leyen: Freispruch aus Mangel an Beweisen

Völlig d´accord. Bis zur großen Strafrechtsreform unter der Regierung Willy Brandt hatte der Entzug des Dr.-Titel als automatische "Begleitstrafe" bei bestimmten Straftaten und damit der Dr. an sich offenbar soziale Bedeutung. Heute iasr das von Rechrts wegen anders: Wegen einer Straftat kann ein Promotionsbewerber nur abgelehnt werden, wenn die Straftat "promotionsbezogen" war, also zum Beispiel nicht bei Mord aus Eifersucht ( http://www.bverwg.de/ents...). Auch der nachträgliche Entzug des Doktortitels ist nur bei "wissenschaftsbezogenem Fehlverhalten" möglich, also nicht wegen Steuerbetrugs zum Beispiel (http://www.zeit.de/studiu...). Dass der Bestand oder Entzug des Dr. ein Erregungstatbestand in der breiten Öffentlichkeit ist, erscheint auf diesem Hintergrund als Indiz für veraltetes, unzeitgemäßes Denken - und damit als beliebige Waffe, um Personen zu infamieren.

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