(1) Die Bewerberin

Andrea Allmendinger, 20, studiert im dritten Semester Pharmazie in Heidelberg. Hier erzählt sie von einem Auswahlseminar der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Zwei Einzelgespräche mit ehemaligen Stipendiaten, ein Referat und fünf Gruppendiskussionen – alles dicht an dicht, so sah er aus, mein Auswahltag. Gleich zu Beginn wurden wir in Sechsergruppen eingeteilt. Ich musste als Erste das Referat halten. Mein Thema: Embryonale Stammzellforschung. Das Thema hatte ich mir schon lange vorher überlegt. Es sollte eines sein, das weder banal noch verbraucht ist und bei dem alle mitdiskutieren können – zur Not auch gefühlsmäßig. Zu Hause hatte ich mir das Referat immer wieder vorgesprochen, auch damit ich die vorgegebenen zehn Minuten einhalte. Die wesentlichen Informationen habe ich auf Karteikarten geschrieben. Mein Vortrag sollte klar strukturiert sein. Ich wollte gut rüberkommen.

Direkt danach haben wir 20 Minuten diskutiert. Ich entschied mich, das Gespräch zu leiten, obwohl das nicht vorgegeben war. Die Fragen hatte ich mir vorher überlegt. Manchmal habe ich widersprochen, nur um das Gespräch in Gang zu halten. Das lief sehr gut. Bei den anderen Diskussionen habe ich das gesagt, was ich denke – und wenn ich nichts zu sagen hatte, habe ich geschwiegen. Einige aus meiner Gruppe haben sehr viel taktiert: Sie haben Meinungen vertreten, die sie in Wirklichkeit nicht haben, und oft geredet, obwohl sie nichts zu sagen hatten. Das fand ich falsch. Es kommt schlecht an, wenn man die ganze Zeit nur redet.

Bei den Einzelgesprächen saß ich erst einer Chemikerin, dann einer Juristin gegenüber. Auf harten Stühlen, fast wie in der Schule. Die Gespräche dauerten 40 Minuten. Das klingt wenig, kann aber sehr lang sein. Beide hatten meinen Lebenslauf vor sich, fragten mich zu Entscheidungen und nach meiner Meinung. Oft haben sie nachgebohrt, einfach um zu sehen, wie fundiert meine Meinung ist. Ich konnte letztlich alles begründen – darauf kam es an. Warum ich genommen wurde? Ich denke, es war eine Kombination aus allem: Lebenslauf, Abiturnote, Vortrag. Zudem habe ich in den Diskussionen nicht die ganze Zeit herumgequatscht.


(2) Die Rede-Expertin