ZEIT Campus : In diesem Film wird ununterbrochen gegessen. Wie waren denn die Stierhoden?

Charlotte Roche : Ein Stierhoden ist sehr groß. Tennisballgroß. So groß, wie man sich vielleicht Ottfried Fischers Niere vorstellt. Das schneidet man dann auf, und innen sieht es aus wie Hirn, so gequaddelt. Es schmeckt wie Kalbsbries. Ich mag solches Essen, bei dem man den Ekel überwinden muss, das sehe ich als Herausforderung. Austern zum Beispiel. Normale Leute sagen: Igitt, sieht aus wie Rotze. Da kann ich dann antworten: Klar, das sieht aus wie Rotze, und ich esse das gerne – und dann schlürft man das ganz lässig weg. Das ist bei mir wie ein Wettbewerb, beim Essen will ich immer die Härteste sein. Oh, es gibt Hirn und Hoden und Eichel – klar, nehme ich!

ZEIT Campus
: Aber schmeckt das denn wirklich?

Roche
: Bei Austern zum Beispiel schmeckt man Unterschiede. Ich bin immer ganz erleichtert, wenn mal eine dabei ist, die nicht so wahnsinnig fischig ist, die geht dann. Das ist wie beim russischen Roulette oder wie bei diesen Messerspielen, bei denen man froh ist, wenn man sich nicht selbst in den Finger hackt.

ZEIT Campus : Zugenommen beim Drehen?

Roche : Absolut. Der Regisseur wollte, dass ich die Sachen immer wirklich esse, auch wenn ich nur von hinten gefilmt wurde – und es hat auch sehr, sehr gut geschmeckt. Irgendwann ist es allerdings egal, wie toll so ein Nachtisch ist – wenn du siebenmal hintereinander die gleiche Portion isst, musst du trotzdem fast kotzen. Das Team hat mich dafür gehasst: Ich musste immer essen, sie mussten immer zugucken, und irgendwann saß ich da wie die Prinzessin auf der Erbse und hab gesagt: Nein, nicht schon wieder Mousse au Chocolat, bäh.

ZEIT Campus
: In "Eden" geht es ja um die Erotik des Essens. Was ist so erotisch daran?

Roche : Nichts. Ich sehe ja ein, dass vieles, was wir so essen, aussieht wie eine Muschi oder ein Penis – der Spargel zum Beispiel oder eben die Auster. Aber von dieser Frauenzeitschrifts-Attitüde vom aphrodisierenden Essen halte ich gar nichts. Wenn man mit jemandem ins Bett will, und es gibt vorher Austern und Champagner: Da wirkt dann ja wohl eher der Champagner. Vom Essen angemacht werden? Höchstens davon, wie jemand etwas isst. Aber wenn einer so an seinem Essen rumlutscht, finde ich das auch eher abgeschmackt.

Die Fragen stellte Philipp Schwenke .

Eden.
Start: 23. November.
Mit Charlotte Roche, Josef Ostendorf, Devid Striesow.
Regie: Michael Hofmann