Trillerpfeifen und Buhrufe hallen durch den Ehrenhof des Mannheimer Schlosses, dem Sitz der Mannheimer Universität. Rund 1000 Demonstranten - Studierende, Professoren und Dozenten - haben sich am Mittwoch Nachmittag mit bunten Transparenten zu einer Kundgebung im Herzen des Campus versammelt. Grund für die Demonstration sind die neuesten Strukturpläne, die Universitätsrektor Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt vorgestellt hat und die noch am selben Tag dem Universitätsrat zur Abstimmung vorliegen. Sie sehen zum einen die Auflösung der Philosophischen Fakultät sowie zum anderen die Fusionierung der beiden Fakultäten Mathematik und Informatik zu einer neuen Fakultät namens Wirtschaftsinformatik vor. Die Philosophischen Fachbereiche werden nach den Plänen der Universitätsleitung dann auf andere Fakultäten verteilt.

Schon seit Jahren wurden unter dem Schlagwort "Profilschärfung" an der Uni Mannheim Fachbereiche geschlossen, Fakultäten fusioniert und Lehrstühle umgeschichtet. Während die bisherigen Maßnahmen von den Universitätsangehörigen mehr oder weniger stillschweigend hingenommen wurden, sorgen die neuesten Pläne für eine breite Welle der Empörung sowohl innerhalb der Universität als auch in der Stadt Mannheim. "Die Bildungs- und Wissenschaftslandschaft ist ein entscheidender Faktor für die Zukunftschancen der jeweiligen Städte und Regionen", sagt Dr. Peter Kurz, Bürgermeister der Stadt Mannheim, der auch dem Kulturdezernat vorsteht. "Derart tief greifende Änderungen, wie sie derzeit für die Universität Mannheim diskutiert werden, müssen daher auch Gegenstand der öffentlichen Diskussion sein - bei Anerkennung der Autonomie der Universität", argumentiert er weiter.

Hochschulrektor Arndt dagegen betont die Zukunftsperspektive seiner Universität. Auf die Frage, ob sich die Universität Mannheim künftig überhaupt noch als Universität bezeichnen könne, antwortete er gegenüber ZEIT Campus online: "Es kommt immer darauf an, was man unter dem Begriff Universität versteht. Eine Volluniversität, die alle Fächer anbietet, gibt es in Deutschland gar nicht mehr." Ihm sei wichtig, dass die Uni Mannheim in ihren Fächern eine Spitzenposition einnehme. "Mir ist die Qualität der Professoren und der Lehre wichtig, und ich orientiere mich an der London School of Economics."

Forschungserfolg - trotzdem Schließung

Prof. Dr. Thomas Klinkert, der bereits im Juli nach einem Zerwürfnis mit der Universitätsleitung von seinem Amt als Dekan der Philosophischen Fakultät zurück getreten war und nun die kommissarische Geschäftsführung der Fakultät inne hat, kann die Pläne des Rektorats nicht nachvollziehen. "Hier soll eine Fakultät geschlossen werden, die nachweislich hervorragende Arbeit in Lehre und Forschung leistet. Studiengänge, die nicht nur sehr gut evaluiert werden, sondern sich auch einer hohen Bewerberanzahl erfreuen, sollen anderen Studiengängen weichen, die schon heute nicht mehr genügend Studierende haben." Die Liste der Argumente sei lang: Forschungserfolge auf der einen Seite und eine effiziente und fortschrittliche Lehre auf der anderen Seite würden für die Fakultät sprechen. "Wir sind mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge erfolgreich vorangegangen. Die ganze Universität profitiert in diesem Bereich von unserem Wissen und Know-How", erklärt Klinkert.

Im aktuellen Bericht des Landesrechnungshofes werde die Leistung der Fakultät in der Lehre als durchaus erfolgreich beurteilt, wie die Philosophische Fakultät in einer offiziellen Stellungnahme mitteilte. Das betreffe beispielsweise die Zahl der Bewerber und Studienanfänger, die Zahl der Absolventen und die durchschnittliche Studiendauer. Für Thomas Klinkert steht jedoch nicht nur die Zukunft der eigenen Fakultät auf dem Spiel. Er und seine Kollegen fürchten auch um das Renommee der Universität als Ganzes und auch um die Zukunft der Stadt Mannheim. "Die Pläne des Rektorats schaden nicht allein der Philosophischen Fakultät, sie schaden der Universität überhaupt. Mit dem Wegfall der Philosophischen Fakultät und der Veränderung ihrer Fächer wird zudem das kulturelle Angebot, das bisher von der Universität für Stadt und Region zur Verfügung gestellt wurde, erheblich beeinträchtigt."

Stiefkind der Wirtschaftsinformatik?