In Harvard kennt man sie seit 1887, in Yale seit 1891 und seit 1948 auch in Stanford. Juristische Zeitschriften, die von Studenten herausgegeben werden, haben in den USA eine lange Tradition. Jura-Studenten bieten darin Richtern, Anwälten und Professoren ein öffentliches Forum für die juristische Diskussion. Wer als Jurist etwas auf sich hält, der veröffentlicht seine Aufsätze ausschließlich in den so genannten studentischen "Law Journals".

Was an amerikanischen Elite-Universitäten seit Jahrzehnten Bestand hat, entwickelt sich nun seit rund zwei Jahren auch in Deutschland. In Münster haben 15 Studierende die Ad Legendum (zu deutsch: "Das zu Lesende") gegründet, von der bereits neun Ausgaben erschienen sind. Chefredakteurin Elke Berding staunt manchmal selbst über den Erfolg der Zeitschrift. "Die Auflage liegt inzwischen bei 600 Exemplaren. Das hätte ich nie vermutet", sagt sie.

Die 24-Jährige war vor drei Jahren bei einem Referat auf die studentischen Zeitschriften im angelsächsischen Rechtsraum gestoßen. "Schnell war die Idee geboren, eine solche Zeitschrift auch in Deutschland auf den Markt zu bringen", sagt Berding. Drei Wochen und einen Aushang am Schwarzen Brett später trafen sich 15 Jung-Redakteure zur ersten Redaktionssitzung.

In dem studentischen Blatt aus Münster veröffentlichen Praktiker, Wissenschaftler, aber auch Studenten Beiträge zu rechtswissenschaftlichen Problemen. Im aktuellen Heft werden zum Beispiel Rechtsfragen der Medizin untersucht. "Die Ad Legendum ist vor allem eine juristische Ausbildungszeitschrift von Studenten für Studenten", sagt Chefredakteurin Berding.