Wenn ich Freunden erzähle, auf welchem Terrain ich während meines Studiums gejobbt habe, denken die meisten an Mafia und Menschenhandel. Dabei war ich weder im Rauschgiftgewerbe noch im Rotlichmilieu. Ich war Blumenverkäuferin.Mit den durch Kneipen wandelnden Rosenverkäufer hatte ich allerdings nichts zu tun. Ich vertrat eher für die Nobelvariante. Zweimal die Woche von 19 bis 23 Uhr fuhr mich meine Chefin zwischen Nobelrestaurants und Promibars hin und her. Fein und ordentlich angezogen musste ich da von Tisch zu Tisch laufen, in der Hand einen Korb voller Biedermeier-Sträußchen. Das sind kurze, gebundene Gestecke, die ein bisschen aussehen wie Brautsträuße. Das Stück zu zwölf Mark. Ganz schön teuer.Gemocht habe ich den Job nie und ein bisschen zwielichtig war er auch. Vor jeder Schicht hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch und war heilfroh, wenn alles es vorbei war. Nur wegen des Geldes habe ich die Zähne zusammengebissen. Es kostet wirklich einige Überwindung, im Restaurant auf Leute zuzugehen, die eigentlich ihre Ruhe haben wollen, und den Mann zu fragen, ob es nicht vielleicht ein Biedermeiersträußchen für die Dame sein soll. Außerdem ist es wahrlich nichts, was einen irgendwie weiterbringt, worauf man sonderlich stolz sein oder wobei man etwas lernen kann. Nicht mal reich wird man damit. Zehn Mark pro Stunde habe ich verdient, und anfangs musste ich mir auch noch das Trinkgeld mit meiner Chefin teilen. Frechheit! Es hat allerdings nicht lange gedauert, bis ich Wege gefunden habe, das zu umgehen.Was die Kundschaft angeht, gab es im Grunde nur zwei Arten von Leuten. Entweder haben sie mir ganz schnell bedeutet, dass ich störe und sie nicht interessiert sind. Oder es waren Männer, die sich vor ihrer Begleitung in irgendeiner Form profilieren wollten, den großen Gönner raushängen ließen und meist einen sehr unangenehmen Eindruck gemacht haben.Einmal bin ich mit einem Korb voller Sträuße - bestimmt 20 Stück - in ein Restaurant gekommen und zum Tisch eines Pärchens gegangen, das augenscheinlich ganz gut situiert war. Der Typ wollte sich offenbar beweisen und hat mir prompt alle Sträuße samt Korb auf einmal abgekauft. Dann hat er auch noch ewig viel Trinkgeld gegeben, so dass ich mit leeren Händen und viel Geld in der Hand wieder zum Auto zurückgegangen bin.Das einzige was mit an dem Job wirklich Spaß gemacht hat, war, dass man immer viele Prominente getroffen hat: Fernsehmoderatoren, Sänger, Schauspieler. Aber auch das verliert ziemlich schnell seinen Reiz. In dem Moment als ich einen "anständigen" Job gefunden hatte, habe ich sofort gekündigt.Julia (27), BWL und Kulturmanagement, BerlinMehr zum Thema :
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