"Langweilig, bieder, konservativ. Wen anders sollte der gemeine BWL-Student wählen als die FDP? Die männliche Variante war selbstverständlich bei der Bundeswehr, die weibliche fährt quietschbunte Kleinwagen vom Typ Punto oder Corsa - Neuwagen, versteht sich. Beide zeichnen sich durch ein überaus konservatives Rollenbild aus. Das erklärt, warum die BWL-Studentin im Gegensatz zu ihrem männlichen Pendant das Studium nicht als Karriere-Instrument sieht, sondern lediglich als Chance, einen potenziellen Heiratskandidaten zu finden. Ist dieser an Land gezogen, wird das Studium sofort geschmissen. © Grafik ZEIT online BILD

Der am häufigsten geäußerte Berufswunsch des BWLers ist Manager. Auch beliebt ist Finanz- oder Unternehmensberater. Jedenfalls eine Tätigkeit mit hoher Bezahlung, bei der man Leute entlassen kann. Um in diese Berufe reinzukommen, geben BWLer Unmengen an Geld für Seminare aus, in denen sie so genannte Soft Skills lernen. Fähigkeiten, die normalen Menschen in die Wiege gelegt wurden: Kommunizieren, Teamarbeit, Kreativität, logisches Denken.

Leider wird dort nicht Geschmack gelehrt. Mit dem steht der BWLer, der sich auch in Kleiderfragen betont konservativ gibt, auf Kriegsfuß. Alles, was im weitesten Sinne mit Kultur zu tun hat, gilt ihm als erdenklich subversiv und damit zwielichtig. Diese kleingeistige Einstellung äußert sich häufig in einem Musikgeschmack, der reaktionären R'n'B und brave bürgerliche Popmusik der Marke Sportfreunde Stiller oder Fettes Brot präferiert sowie einer Auffassung von Humor, die Comedians wie Michael Mittermeier schätzt. Dazu gesellt sich gern ein ignorantes Kunstverständnis. In Museen kann man den BWLer häufig Sätze sagen hören wie: "Was soll daran denn Kunst sein?" oder "Das kann ich ja wohl auch!".

Ausdruck seines tief empfundenen Bekenntnisses zur freien Marktwirtschaft ist ein Abonnement der Zeitschrift Cicero und eine aggressiv zur Schau getragene Lektüre der FAZ oder Financial Times . Es könnte ja mal ein Headhunter vorbeischauen..."

Sabine (27), 11. Semester Soziologie

Aufgezeichnet von Moritz Honert .