Filigran und ringförmig wie ein Heiligenschein liegt das künstliche Herzgewebe in der Glasschale und pulsiert. Christina Rogge hat hart gearbeitet, damit es entsteht. Immer wieder hat sie mit Nährlösungen und Brutschranktemperaturen experimentiert, mit Kulturschalen und Kohlenstoffdioxid.

Christina Rogge ist 27, sie ist Pharmazeutin, der pulsierende Ring aus Mausstammzellen ihr Promotionsthema am Uni-Klinikum in Hamburg. Für ihre Arbeit wurde sie ausgezeichnet und angefeindet. Denn Christina Rogge forscht an embryonalen Stammzellen – von Mäusen und auch von Menschen. Das ist legal, aber umstritten in Deutschland.

In die Forschung wollte sie schon immer, sagt Christina Rogge, nicht in die Apotheke. "Im Labor kann ich ständig mit anderen an neuen Ansätzen arbeiten, das ist mir wichtig." Als sie sich kurz nach dem Examen in Braunschweig vor drei Jahren um eine Promotionsstelle bewarb, bekam sie fast nur Zusagen. Ein Projekt aus Hamburg interessierte sie besonders: "Herstellung von Herzmuskelgewebe aus Stammzellen". Und zur Ergänzung hieß es noch: "Embryonale Stammzellen der Maus, des Menschen und adulte Stammzellen". Spannend, aktuell – und brisant. Sie hat sich nicht abschrecken lassen, schließlich ist so ein Thema für eine Doktorarbeit selten – eines, bei dem man wissenschaftlich vorn mit dabei ist und bei dem die Idee zu helfen irgendwann Realität werden könnte. Das war genau das, was sie wollte. Sie sagte zu.

Die Arbeit erfordert Ausdauer, oft muss Christina Rogge Durststecken überwinden: Bahnbrechende Erkenntnisse im Labor brauchen Zeit. Sie sind das Ergebnis immer neuer Versuche, der Lohn für jahrelange Kleinarbeit. "Forschung kann unberechenbar sein", sagt Rogge und streicht sich eine blonde Strähne aus der Stirn.

Seit drei Jahren forscht sie jetzt schon in dem Hamburger Labor. Stem cells only steht auf dem Brutschrank im Zellkultur-Labor. Drinnen türmen sich flache Plastikschalen. 150 davon betreut Rogge. "Ich muss noch schnell die Stammzellen füttern", ruft sie einer Kollegin zu. Füttern heißt: die Nährlösung aus Zucker und Blutserum wechseln, in der die Zellen leben. Inzwischen hat sie Routine, anders als in den ersten Wochen, als sie mit Versuchen an Zellen aus Mäuseembryonen begann. "Am Anfang entwickelten sie sich unkontrolliert zu allen möglichen Zellen", sagt sie, während sie über den sterilen, grauen Linoleumboden ins Zellkultur-Labor läuft. Doch sie gab nicht auf. Sie hospitierte in Arbeitsgruppen, die routiniert mit Stammzellen arbeiten, schaute sich die wichtigsten Handgriffe ab für die Pflege der empfindlichen Kulturen. Irgendwann, endlich, hat es dann geklappt: Aus den Stammzellen der Mäuse entwickelten sich Herzzellen. Versetzt mit einer speziellen Flüssigkeit und in eine runde Silikonform gegossen, formen sie Herzmuskelgewebe, das pulsiert, als sei da irgendwo ein Körper mit Arterien, Venen und Blut zum Pumpen.