Benedikt Sobotka, 26, bringt es auf vier Länder in drei Jahren. 2004 fing der Betriebswirt bei der Unternehmensberatung Boston Consulting in München an. Seither arbeitete er in Deutschland und in China, in der Schweiz und in Russland. Für Benedikt Sobotka ist das nicht ungewöhnlich. Schließlich hat er nicht nur an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz-Vallendar, sondern auch in Moskau, Shanghai und Rotterdam studiert.

Jonas Ulrich, 33, hat in vier Jahren gleich dreimal seinen Einstand gefeiert. Nach seinem Referendariat fand der Jurist 2003 eine Stelle in der Entwicklungszusammenarbeit bei der Kölner Handwerkskammer. Spannend, abwechslungsreich – und mit Verfallsdatum. Ein anderer Job folgte und dann sein jetziger in Bonn, ebenfalls in der Entwicklungshilfe und ebenfalls befristet.

Jana Lenz, 22, macht zurzeit ein Auslandssemester im spanischen Almeria. Mit 21 ging die VWL-Studentin für fünf Monate nach Indien, zum Praktikum in einem Software-Unternehmen. Später sattelte sie ein Praktikum in Deutschland drauf, weitere Stationen in Unternehmen sollen folgen. Damit hofft sie, nach dem Diplom gleich einen Arbeitsplatz zu bekommen, ohne vorher als Praktikantin eingestellt zu werden.

Hallo, hier bin ich; tschüss, es war schön mit euch – auf Berufsstarter wartet nicht ein einziger Anfang, sondern es sind gleich viele . Weil der Arbeitsort regelmäßig wechselt, wie bei Benedikt Sobotka. Weil der Arbeitgeber immer wieder ein Neuer ist, wie bei Jonas Ulrich. Weil sich ans Studium oft keine feste Stelle anschließt, sondern eine Einfädelungsphase mit Suchen, Jobben oder Honorararbeit und manchmal sogar mit Praktika, wie es Jana Lenz befürchtet. Weil einige Branchen Bindungsängste entwickeln und Mitarbeiter lieber kurzfristig ins Unternehmen holen, statt sie fest anzustellen. Weil die Zeitarbeit auch bei Akademikern deutlich zulegt. Und nicht zuletzt, weil sich auch und gerade für feste Mitarbeiter in den Unternehmen viel geändert hat: Dort ist jetzt häufig von "Teams" die Rede, die immer wieder neu für einzelne "Projekte" zusammengestellt werden, um "flexibel", "zeitnah" und "individuell" auf Kundenwünsche zu reagieren.

"Die Welt dreht sich schneller. Und die Unternehmen erwarten von den Absolventen, dass sie da mitgehen. Die Anforderungen an die Flexibilität werden immer höher", sagt Norbert Wangnick vom Unternehmen Access, das sich auf die Vermittlung von Hochschulabsolventen spezialisiert hat. Personalchefs hegten zunehmend die Erwartung, dass Arbeitnehmer "jederzeit Themen, Inhalte, Kollegen und Arbeitsprozesse" wechseln könnten, beobachtet die Hamburger Managementberaterin Maren Lehky. Und Harro Honolka, Leiter des Instituts Student und Arbeitsmarkt an der LMU München, das Studenten auf den Berufseinstieg vorbereitet, sieht bei den ehemaligen Absolventen "jede Menge kurvenreiche Lebensläufe", bei denen Stellen, aber auch Arbeitsgebiete gewechselt werden. "Mit den Erfahrungen der Elterngeneration hat das nichts mehr zu tun."